Ein Mann mit Anzug zeigt mit seinem Daumen nach Unten.
Maureen Stum

Unternehmen weiterentwickeln: Dieser Satz ist ein No-Go

Die COVID-19-Pandemie hat eindrucksvoll bewiesen: Wer sich als Arbeitgeber nicht weiterentwickelt und seine Prozesse ständig dem Markt und den Kundenbedürfnissen anpasst, bleibt schnell auf der Strecke und verliert den Anschluss zum Wettbewerb. Sätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Never change a running system“ dürften vielen zwar bekannt vorkommen, sie bewirken aber vor allem eines: Stagnation und die Vermeidung von Innovation und Fortschritt. Im Interview mit bAV-Experte Stephan Seidenfad klären wir die Frage, wie Unternehmen auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes reagieren können.

Die Digitalisierung als Entwicklungstreiber für Unternehmen

Stephan, der Satz „Haben wir schon immer so gemacht“ hat gerade bei dem heutigen dynamischen Arbeitsumfeld schlimme Auswirkungen. Welche Gefahren lauern in Bezug auf die Digitalisierung?

„An der Digitalisierung kommt heute kein Unternehmen mehr vorbei. Prozesse sind schneller, fehlerfreier und präziser. Durch Digitalisierungsmaßnahmen sparen sich Unternehmen einerseits Arbeitskräfte. Andererseits können Mitarbeiter für sinnige und effektive Aufgaben im Unternehmen eingesetzt werden. Das ist vor allem angesichts des heutigen Fachkräftemangels ein großer Vorteil. Unternehmen, die ihre Prozesse nicht fortlaufend optimieren und digitalisieren, verlieren den Anschluss an den Wettbewerb. Ihnen fehlen nicht nur Know-how, sondern auch Geschwindigkeit und Information.“

ChatGPT, Bing AI, Google Bard: Das Interesse an generativen KIs steigt an und wird unsere Arbeitswelt verändern. Wie schätzt Du die Bedeutsamkeit der Chatbots für Unternehmen ein?

„Die Tools können Ideen entwickeln, Posts aus Artikeln generieren, Artikel kürzen oder verlängern und als Lektor fungieren. Sie können eine hohe Dynamik in ein vorhandenes Team bringen, Prozesse effektiver und schneller gestalten und so eine größere Menge an Output erzeugen.

Die Kehrseite der Medaille: Werden Chatbots in den Arbeitsalltag integriert, fürchten viele Mitarbeiter um ihre Arbeitsstelle. Es ist wichtig, dass Arbeitgeber auf die Sorgen der Mitarbeiter eingehen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie gebraucht werden. Die richtige Integration sorgt dafür, dass Mitarbeiter die neuen Medien gezielt einsetzen und Unternehmen so Pionierarbeit auf diesem Gebiet leisten. Tun sie dies nicht, werden sie den Abschluss verlieren.“

Unternehmen weiterentwickeln: Die Wichtigkeit von Prozess- und Produktentwicklungen

Die Prozessentwicklung geht ein Stück weit mit der Digitalisierung einher. Was passiert, wenn Prozesse stagnieren?

„Gemeint sind sowohl einfache als auch komplexe Prozesse im Unternehmen. Kein Unternehmen würde existieren, wenn Prozesse nicht funktionieren würden. Allerdings führt eine Stagnation dazu, dass sich Unternehmen nicht mehr modernisieren. Nicht nur das: Der Wettbewerb versucht, Prozesse zu beschleunigen und für Mitarbeiter und Kunden einfacher zu gestalten. Dadurch steigt der Druck, Prozesse in regelmäßigen Abständen auf den Prüfstand zu stellen. Was vor zehn oder 15 Jahren gut war, muss heute nicht mehr wettbewerbsfähig sein.“

… und wie sieht es bei der Produktentwicklung aus?

„Genauso ist es bei der Produktentwicklung. Es gibt Produkte, die in der Vergangenheit gut waren. 20 Jahre später und mit der gleichen Philosophie kann es sein, dass ein Produkt nicht mehr am Puls der Zeit ist – sogar dann, wenn es gut performt. Der heutige Anleger präferiert transparente Produkte. Er möchte wissen, wie viel Performance in seinem Investment möglich ist und ob er damit die Inflation schlagen kann. Wir sprechen von exakt dem gleichen Business, in dem sich spätestens im Fünf-Jahres-Takt durch Gesetzgebungen, Produktentwicklungen etc. die Spielregeln verändert haben. Wenn Unternehmen ihre Produkte nicht überprüfen und im Zweifel anpassen, werden sie auf der Strecke überholt.“

Recruiting, Personalführung und Benefits in Zeiten des Fachkräftemangels

Wie funktioniert moderne Personalbeschaffung?

„Wenn ich mein Recruiting über die klassischen Stellenplattformen oder Headhunter steuere, wird es nicht nur teuer. Oft wird eine Stelle erst nach sechs Monaten besetzt. Dabei haben gerade Mittelständler und Start-ups keine Zeit, sechs Monate für die Besetzung einer wichtigen Stelle zu investieren.

Ein erfolgsversprechender Weg kann es sein, Personal Branding zu betreiben. Dadurch verkauft ein Unternehmen seine Werte und wird von Menschen als Marke wahrgenommen. Wir sprechen spannende Bewerber in den sozialen Medien proaktiv an. Mit dem Resultat, dass wir zwei bis sechs Wochen benötigen, um einen neuen Kollegen in das Team zu holen. Recruiting braucht ein Umdenken und ein Gesicht für die Marke.“

Was bedeutet New Work für die Personalführung?

„Wie gestalte ich den Onboarding-Prozess? Schaffe ich die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten? Wie erfasse ich Arbeitszeiten? Auch hier gilt: Strukturen, die vor 15 oder 20 Jahren klar geregelt waren, sind heute oldschool und für die Führung eines Unternehmens untauglich. Die heutigen Mitarbeiter verlangen Wertschätzung, Weiterentwicklung und klare Prozesse. Passt sich ein Unternehmen nicht an den New Work-Gedanken an, überaltern seine Strukturen.“

E-Bike war gestern. Heute sind vor allem die Benefits im Trend, die zukunftsweisend wirken. Die bAV ist Dein Steckenpferd. Warum lohnt sich dieser Benefit für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer?

„Die betriebliche Altersvorsorge ein effektives Produkt, um vorhandene Leistungskräfte zu binden. Reagieren Arbeitgeber auf die Lücken der gesetzlichen Rente nicht, tragen sie Verantwortung dafür, dass Mitarbeiter keinen würdevollen Ruhestand genießen können. Nichts bindet mehr als eine gut gemachte Versorgungssituation. Darüber können sich Arbeitgeber als Marke gewinnbringend positionieren.“

Unternehmenskultur & Kundenbeziehungen sind wichtig bei der Unternehmensentwicklung

Durch positiv gelebte Unternehmenskultur ergeben sich entscheidende Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Was sind wichtige Faktoren für eine gute Unternehmenskultur?

„Wofür stehen wir? Was ist unsere Vision? Was sind unsere Werte? Diese Fragen sind nicht neu. Die Herausforderung ist es, die Werte und Ziele eines Unternehmens in die Belegschaft und auf ein Werbeschild nach außen zu transportieren. Das gelingt über die Erzeugung einer nachvollziehbaren Unternehmenskultur. Hier findet das, was nach außen kommuniziert wird, auch innerhalb des Unternehmens statt. Arbeitgeber, die mutig sind und ihre Brand zeigen, gewinnen die richtigen Mitarbeiter für ihre Visionen. Unternehmen ohne Spirit, Ideen oder Visionen bestehen im aktuellen Arbeitsumfeld nicht.“

Kundenbeziehungen sind für das Unternehmen nicht unwichtig. Zu welchen modernen Einstellungen hat der Markt geführt?

„Heute herrscht mehr Wettbewerb. Zudem lassen sich Dienstleistungen schwer abgrenzen. Natürlich schaden Netzwerke nur dem, der keine hat. Aber neben den analogen offline Netzwerken sind digitale Netzwerke nicht zu unterschätzen. Die sozialen Medien eröffnen auch kleinen Unternehmen oder Mittelständlern Wege, sich ordentlich zu präsentieren und positionieren.“

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