Die optimale Umsetzung der bAV: in 7 Schritten zum Ziel

Stephan Seidenfad

Geschäftsführer und Gründer
Experte für die Themengebiete: bAV, Recht & Steuern, kAV, Digitale Lösungen und Absicherung

Versicherungsgesellschaften und ein Gros der Berater stellen die betriebliche Versorgung – und das schließt die betriebliche Altersversorgung (kurz: bAV) mit ein – gerne als eine Art Produktverkauf dar. De facto ist die bAV allerdings vor allem ein Konzept, das sich mit Kommunikation, rechtlichen Aspekten, Lohngestaltung und Mitarbeiterbindung befasst. Bei der optimalen Umsetzung der bAV spielen aus diesem Grund viele Faktoren eine Rolle, von der anfänglichen Analyse über die Entwicklung eines individuellen Konzepts bis zur Kommunikationsstrategie ins Unternehmen. Die Komplexität erfordert zudem ein Zusammenspiel aus verschiedenen Bereichen. Im Folgenden erläutert der bAV-Experte, Stephan Seidenfad, die sieben Schritte zur bAV. 

Der erste Schritt zur optimalen Umsetzung der bAV: Analyse

Unser Fokus liegt in der Erfassung von vorhandenen Lösungen, der Analyse von Schwachpunkten und der Entwicklung von Optimierungen. Der wichtigste und zugleich erste Schritt ist die Analyse. „Hier schauen wir, wo unsere Kunden mit ihrer Firma stehen“, so Stephan Seidenfad, Geschäftsführer und bAV-Experte der von Buddenbrock Unternehmensgruppe. „Wir beobachten oft eine Vorgehensweise, die in der Betriebsrente gerne praktiziert wird. Ich vergleiche es zur Verdeutlichung mit einem Arztbesuch. Wenn wir von einem Arzt mit einem Mundschutz, der OP-Haube und einem Skalpell in der Hand begrüßt werden, sind wir wenig begeistert. Kein Mensch lässt sich operieren, ohne dass er weiß, welche Krankheit er hat und ob es auch alternative Behandlungswege gibt. Genauso ist es in der Betriebsrente.“  

Dadurch dass es die Betriebsrente bereits seit dem 19. Jahrhundert gibt, treffen Berater in manchen Unternehmen teilweise auf veraltete Systeme. „Teilweise gibt es aber auch Systeme aus den frühen 2000ern, die nicht richtig gepflegt wurden. Wir schauen uns den Rahmen an und entscheiden dann, was wir tun können, damit wir sehr gezielt die richtigen Maßnahmen ergreifen.“ Ein weiteres Leidwesen aus den Anfängen der Betriebsrente ist die einseitige Sichtweise auf die komplexe Thematik. „Ursprünglich gab es die Vision, dass die Betriebsrente nach einer kurzen Erklärung durch einen Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler zum Selbstläufer wird. So einfach ist es aber nicht“, weiß der Experte.  

Das Zusammenspiel aus Finanzen, Recht und Steuern als Erfolgsgarant für die optimale Umsetzung der bAV

Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) wurden im Jahr 2002 die Arbeitnehmerrechte in der bAV deutlich gestärkt. Seitdem müssen Arbeitgeber zu allen Entgeltumwandlungen in der bAV einen verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss zahlen. „Fördern Arbeitgeber die Betriebsrente, bewegen sie sich zwangsläufig im Arbeitsrecht. Je nach Durchführungsweg in der Betriebsrente befinden sie sich zudem im Steuerrecht. Das, was sie betriebsrentenseitig tun, bewirkt außerdem etwas in der Bilanz des Unternehmens. Man erzeugt Haftung, vielleicht erzeugt man auch Situationen, wo Deckungsmittel nicht mehr zur Betriebsrente passen. Das hat wiederum einen steuerlichen Effekt.“ 

Eine weitere Besonderheit finden wir bei der Absicherung von Gesellschafter-Geschäftsführern. Oft sind Gesellschafter-Geschäftsführer von der Beitragspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung befreit. Besteht eine Rentenversicherungspflicht, sind sie in der Regel nur unzureichend abgesichert, weil Beiträge über der Beitragsbemessungsgrenze nicht mehr rentenwirksam sind. „Bei Gesellschafter-Geschäftsführern oder Vorständen kommen Gesellschaftsrecht und Gesellschafterbeschlüsse dazu. Unsere Aufgabe liegt darin, unsere Grenzen als bAV-Berater zu kennen und diese dem Kunden mitzuteilen. Sind die Grenzen definiert, ziehen wir einen Anwalt des Kunden oder einen aus unserem Netzwerk hinzu. Unser Ziel: maximaler Erfolg der Firma bei minimaler Haftung.“ 

Vom Konzept über die Kommunikationsstrategie bis zum nachhaltigen Service

Im zweiten Schritt müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. „Das dürfen wir als Berater oder Makler nicht. Der richtige Weg ist es, einen passenden Anwalt oder einen zertifizierten Rechtsberater zurate zu ziehen. So können wir gemeinsam schauen, welche rechtlichen Themen wir im Blick haben müssen und welche rechtlichen oder steuerlichen Kompetenzen wir benötigen.“ Anschließend geht es um die Erstellung eines geeigneten Konzepts. „Nachdem wir ein Konzept erstellt haben, präsentieren wir dieses dem Unternehmen. Gemeinsam mit der Unternehmensleitung oder, je nach Größe des Unternehmens, der Personalleitung entwickeln wir dann Ziele. Um alle abzuholen, binden wir auch frühzeitig den Betriebsrat und Führungskräfte ein.“ 

Im Anschluss beginnt der eigentliche Beratungsprozess, in dem es darum geht, sich eine geeignete Kommunikationsstrategie zu überlegen und die Arbeitnehmer über die Chancen der betrieblichen Versorgung zu informieren. „Hier ist das Thema Begeisterung, Mitnahme und Benefit die Krux“, weiß der Experte. Im letzten Schritt, der gerne übersehen und benachteiligt wird, geht es um eine langfristige Betreuung des betrieblichen Versorgungswerks. „Ein nachhaltiges Servicekonzept ist der Schlüssel zum Erfolg. Bei der betrieblichen Altersversorgung betreuen wir Menschen, die im Schnitt zwischen 25 und 50 Jahre alt sind und statistisch gesehen über 80 Jahre alt werden. Das bedeutet, die Zusatzrente ist ein langanhaltendes Modell, das außerdem durch Änderungen in der Gesetzgebung, bei den Rahmenbedingungen oder im Weltgeschehen immer wieder Einflüsse erfährt. Hier darf ein kurzfristiger Service durch einen Berater nicht der Anspruch sein. Eine Betriebsrente, bei der kein nachhaltiger Service garantiert wird, bedeutet zwar leicht verdientes Geld für den Berater, aber ist in der Umsetzung großer Unsinn. Das sollte es nicht geben.“ 

Wenn Berater sich gemeinsam mit ihren Kunden an diesen Schritten entlanghangeln, sind sie auf einem guten Weg. „Es ist wichtig, dass zunächst die Unternehmensleitung von der Thematik begeistert ist, den Mehrwert eines betrieblichen Versorgungssystems versteht, einen Nutzen darin sieht und soziale Verantwortung übernehmen möchte. In größeren Firmen binden wir anschließend die zweitwichtigsten Entscheidungsinstanzen für die Verbreitung der bAV, die Personalabteilung und die Lohnbuchhaltung, ein, um zu erklären, wie sie die bAV als Bindungs- und Findungs-Vehicle nutzen können. Zum Schluss rücken die Arbeitnehmer in den Fokus. Häufig haben sie sich, vor allem in jungen Jahren, noch nicht viele Gedanken über ihre Rente gemacht. Es ist wichtig, sie auf das Thema zu triggern und ihnen zu verdeutlichen, warum sie sich mit ihrer Vorsorge und Absicherung beschäftigen müssen. Oft fehlt ihnen die Motivation, die Zeit oder in Zeiten der Inflation und Energiekrise das Geld. Trotzdem müssen sie etwas tun“, mahnt Seidenfad.  

Die Begeisterung beginnt beim Arbeitgeber

Eben diese Verkettung gilt es mit gezielter Aufklärung zu durchbrechen. Angefangen bei dem Arbeitgeber, der die Begeisterung haben muss, über dem gesetzlichen Standard hinaus zu fördern. „Es gibt bestimmte Ansprüche, die Arbeitgeber umsetzen können. Zudem können sie sich überlegen, wie sie ihre Arbeitnehmer unterstützen möchten. Denn Vorsorge-Themen sind nichts, was Arbeitnehmer in hohe Motivationsschübe versetzt.“ Jedoch ist beste Benefit-Modell ist nur so gut, wie die Kommunikationswege ins Unternehmen. Von Mensch zu Mensch. Durch Technik oder gemixt. „Wenn Unternehmen im Rahmen der Kommunikationsstrategie ihren Arbeitnehmern vermitteln können, dass sie ihnen die Gesundheitsvorsorge abnehmen und sie dafür weniger von ihrem Netto verwenden müssen, dann ist das bereits ein großer Benefit. Hier beginnt das Thema Begeisterung.“ 

In der praktischen Arbeit eines Beraters spielt ebenfalls die Begeisterungsfähigkeit der Referenten eine bedeutende Rolle. Dabei muss er sich auf die verschiedenen Gruppen eines Unternehmens unterschiedlich einstellen: „Eine Chefetage beraten wir anders als ein Fertigungsteam, ein mittleres Management anders als ein Ingenieurteam. Haben wir es nicht mit homogenen Gruppen zu tun, müssen wir uns heterogen anpassen und ihnen den Bedarf verdeutlichen: Warum musst du etwas für deine private Rente machen? Über welchen Weg ist das möglich? Warum ist die Betriebsrente der günstigste Weg zum Ziel? Die Begeisterung der Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer ist wichtig – ohne wird es nahezu unmöglich.“