Superheld vor Skyline

So werden Arbeitgeber mit Benefits und der bAV zum Superhelden

Stephan Seidenfad
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Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist angespannt. Die staatliche Förderbank KfW spricht in einer kürzlich veröffentlichten Studie von einer Zeitwende durch den Fachkräftemangel. Unternehmen geraten unter Druck; Mitarbeitergewinnung und -bindung werden in dieser Zeit großgeschrieben. Nur ein attraktiver Arbeitgeber kann heute im „war for talents“ bestehen. Hierbei reicht es nicht mehr aus, dem Bewerber ein attraktives Gehalt anzubieten oder den Angestellten eine angemessene Work-Life-Balance zu ermöglichen.

Der Wettbewerb ist nicht nur groß, neueste Entwicklungen bei den Rekrutierungstrends bergen die Gefahr, in der Masse unterzugehen. Im Folgenden erfahren Sie, wie Arbeitgeber in fünf Schritten zum Superhelden werden und was Benefits und die bAV damit zu tun haben.

Reicht die gesetzliche Rente? Die sozialen Sicherungssysteme stehen unter Druck!

Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2022 so viele Menschen erwerbstätig wie noch nie. Genauer gingen rund 45,6 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland in diesem Jahr einer Beschäftigung nach. Insbesondere die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist mit 34,5 Millionen auf einem Spitzenniveau.

Dennoch sind in den nächsten Jahren immer mehr Rentner auf die Grundsicherung angewiesen, während das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern in Zukunft deutlich abnehmen wird. „Das Rentensystem, das Gesundheitssystem und das Pflegesystem stehen unter immensem Druck, weil immer mehr Menschen in die Rente drängen. Gleichzeitig rücken aber immer weniger qualifizierte Arbeitnehmer nach“, weiß auch Stephan Seidenfad, bAV-Experte und Geschäftsführer der von Buddenbrock Unternehmensgruppe.

Noch im Jahr 1962 kamen in Westdeutschland auf einen Rentner sechs aktive Versicherte. 11 Jahre später, im Jahr 1973, mussten vier Beitragszahler eine Rente finanzieren. 1992 waren es bereits weniger als drei Beitragszahler. Heute sind rund zwei Beitragszahler für einen Rentner zuständig. Realistisch gesehen könnte die Finanzierung des sozialen Sicherungssystems zu einer großen Herausforderung werden. Dies anzuerkennen, gehört zum ersten Schritt auf dem Weg zu einem attraktiven Arbeitgeber.

„Der Halt des deutschen sozialen Sicherungssystems ist nicht mehr so leistungsstark, wie es in der Vergangenheit war. Indizien dafür sind die Kürzungen der Gesundheitsleistungen, der Anstieg der Beiträge und dass über einen späteren Renteneintritt diskutiert wird.“

Niemand gibt gerne Geld für bAV, Gesundheitsvorsorge oder Invaliditätsschutz aus

Trotz dessen verlassen sich viele Angestellte lediglich auf die gesetzliche Rente. Das führt zum zweiten Schritt auf dem Weg zum attraktiven Arbeitgeber. „Es ist für jeden Arbeitnehmer unattraktiv, über weniger Netto zu verfügen, dafür aber beispielsweise eine bessere Gesundheitsvorsorge zu haben oder gegen Individualität abgesichert zu sein. Ein schlechtes Gewissen, Sorgen oder Ängste veranlassen viele Angestellte zwar dazu, sich zwangsläufig mit der privaten Rentenversicherung oder Gesundheitsvorsorge zu beschäftigen. Spaß daran hat allerdings niemand“, so der Experte, der hier den Arbeitgeber in der Pflicht sieht: „Für den Arbeitgeber gilt es zu akzeptieren, dass hier ein Problem vorliegt, das gelöst werden muss, obwohl der Anklang in der Belegschaft gering ausfallen wird.“

Dass die gesetzliche Rente sicher ist, streitet niemand ab, aber betrachten wir folgendes Rechenbeispiel:

Hofft ein Arbeitnehmer auf eine Rente von 2000 Euro brutto, entspräche das circa 1.800 Euro netto. Für diese Rentenleistung ist eine Arbeitszeit von 45 Jahren und ein Gehalt von 4.500 Euro brutto pro Monat die Voraussetzung. Falls ein Arbeitnehmer nur 40 Jahre erwerbstätig ist, müsste er 5000 Euro verdienen, um nachher auf eine Rente von 2000 Euro zu kommen. Ein monatliches Gehalt von 3.750 Euro brutto entspricht wiederum nur einer Rente von etwa 1.500 Euro. Das ist im Vergleich zu der jahrelangen Arbeit nur ein ernüchternder Betrag.

Der Informationsstand zur bAV ist bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern eher schlecht

Die gesetzliche Rente nicht ausreichend. Das führt zwangsläufig dazu, dass sich Menschen mit ihrer privaten Altersvorsorge beschäftigen müssen. Jeder, der schon mal mit dem Thema Altersvorsorge in Berührung gekommen ist, hat mindestens diesen einen Satz gehört: Je früher man anfängt, desto besser.

Das leuchtet schnell ein, denn wer früher anfängt zu sparen beziehungsweise einzuzahlen, bekommt am Ende mehr raus. Umso erstaunlicher ist es, dass sich trotzdem viele Menschen erst sehr spät in ihrem (Arbeits-)Leben wirklich mit dem Thema „private Altersvorsorge“ beschäftigen. Eine Statista-Umfrage der letzten vier Jahre zeigt ein immer ähnliches Ergebnis: Knapp 60 Prozent sind mäßig bis gar nicht an privater Altersvorsorge interessiert. Das führt zu Schritt drei auf dem Weg zum attraktiven Arbeitgeber: Die Anerkennung, dass der Informationsstand zu betrieblichen Vorsorge-Möglichkeiten wie der bAV schlecht ist.

„Nach unserer Erfahrung besteht der Knowhow-Stand in Firmen im Bereich betriebliche Vorsorge, betrieblicher Benefits und damit auch betrieblicher Altersvorsorge (bAV) aus Vorurteilen, einem oberflächlich angelesenen Wissen oder einem mittelklassigen Beratungs-Knowhow. Bereits Schritt eins und zwei sorgen dafür, dass diese Thematik keine hohe Priorität in der Belegschaft hat.“

Mitarbeiterbindung durch Unterstützung

Haben Arbeitgeber erkannt, dass:

  • das soziale Sicherungssystem unter Druck gerät
  • ihre soziale Verpflichtung steigt, wenn sie ihre Arbeitnehmer wertschätzen möchten
  • ein großer Teil der Belegschaft keine Lust hat, sich mit der privaten Vorsorge zu beschäftigen und dafür Geld aufzuwenden
  • Information Trumpf ist

,dann erschließt sich Schritt vier in der logischen Konsequenz: „Arbeitgeber sollten sich das zunutze machen. Wie das funktioniert? Indem sie einen Teil der Investitionen zukünftig dafür verwenden, ihren Arbeitnehmern mit Bausteinen der Gesundheitsvorsorge oder der bAV zu unterstützen. Je nachdem, wie alt eine Belegschaft im Durchschnitt ist, liegen diese Themen weit in der Zukunft. Die Affinität zur Lösung ist besonders bei jungen Menschen niedrig“, weiß Seidenfad, der auf die effektive Wirkung hinweist: „Indem Arbeitgeber für eine bessere Gesundheitsvorsorge und Rente sorgen oder/und ihren Angestellten im Fall einer Individualität oder einer BU eine Absicherung bereitstellen, nehmen sie ihnen eine große Last.“

bAV: Kommunikation und Information als wichtige Grundlagen

Wenn in Unternehmen nicht die Existenz von Benefits das Problem ist, sondern die Kommunikation zu den Arbeitnehmern, dann sind wir beim letzten und entscheidenden Schritt fünf angekommen. „Die bloße Existenz eines Problems zu kennen und vielleicht sogar eine Lösung zu haben, bringt im ersten Schritt gar nichts. Unternehmer werden sich auch im Privaten mit der Problematik des demografischen Wandels auseinandersetzen und wissen, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr das ist, was sie mal war. Personaler werden wiederum erkennen, dass sich die Belegschaft mit diesen Themen schwertut.“

Der entscheidende Punkt, der ein Unternehmen mit einem genialen Benefit-System von einem nur vorhandenen Benefit-System entscheidet, ist einfach: „Professionelle Information und Kommunikation. Es ist nicht ausreichend, auf die Benefits im Intranet aufmerksam zu machen oder eine App zu installieren. Effizienter ist eine von Profis aufgesetzte Informations-Kampagne, die der Belegschaft die Lösung des Problems und die Kommunikation dieser Lösung näherbringt.“ Nur wenn:

  • die Wege ins Unternehmen und die Belegschaft stimmen,
  • eine transparente Kommunikation gegeben ist und
  •  Profis dabei unterstützen, diese Informationen zu transportieren,

zeigen Benefits Wirkung. „Arbeitnehmer verstehen so, dass ihr Arbeitgeber etwas Besonderes ist; eine Arbeitgeber-Marke bildet sich.“  

Master-Tipp: So wird die bAV finanzierbar

Halten wir fest: Die Belegschaft in Sachen Rente oder Krankenversicherung zu unterstützen, ist eine Win-win-Situation. Jetzt könnte sich der ein oder andere Arbeitgeber fragen, wie Corporate Benefits finanzierbar sind? „Indem sie sich Finanzierungsmöglichkeiten ausmalen. Im Zuge einer Lohnerhöhung können Arbeitgeber beispielsweise festlegen, dass ein Teil der Erhöhung in die bAV fließt. Das ist für den Arbeitgeber sozialversicherungsfrei. Das bedeutet, sie sparen auf die Lohnerhöhung etwa 20 Prozent.“

Zusätzlich haben Arbeitgeber die Möglichkeit, wenn sie weiter fördern möchten, einen Teil des Geldes zum Beispiel in eine Krankenzusatzversicherungsleistung zu investieren. Der Vorteil: Diese Betriebsausgaben werden staatlich gefördert. „Ein geringer Aufwand mit großem Effekt, durch den Arbeitgeber für ihre Belegschaft zum bAV-Superhelden werden. Es gibt in der Energiekrise und der derzeitigen Inflation sowieso keinen Weg, der daran vorbeiführt.“

Mehr Informationen zu der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) erhalten Sie hier. Auch unsere Experten stehen Ihnen gerne zur Verfügung. Vereinbaren Sie jetzt einen unverbindlichen Beratungstermin.

Stephan Seidenfad

Geschäftsführer und Gründer Experte für die Themengebiete: bAV, Recht & Steuern, kAV, Digitale Lösungen und Absicherung

Stephan Seidenfad | von Buddenbrock

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