Stephan Seidenfad
Geschäftsführung und bAV-Experte

Betriebsrente Auszahlung: Was ankommt und was Arbeitgeber regeln müssen

Erst Altlasten analysieren. Dann neu bauen. So regeln Sie die Auszahlung der Betriebsrente rechtssicher, und Ihre Mitarbeiter wissen vorher, was netto ankommt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Auszahlung der Betriebsrente beginnt in der Regel mit der gesetzlichen Altersrente, frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres (Zusagen vor 2012: 60). Ausgezahlt wird als Rente, Einmalkapital oder Kombination, je nach Versorgungsordnung oder Tarif.
  • Abgezogen werden Einkommensteuer sowie Kranken- und Pflege­versicherung: Pflichtversicherte Rentner zahlen 2026 rechnerisch 17,5 % Kranken­versicherung auf den Teil über dem Freibetrag von 197,75 € und 3,6 % Pflege­versicherung auf den vollen Betrag.
  • Der Durchführungsweg bestimmt die Steuerart: Renten aus Direktzusage und Unterstützungs­kasse sind Arbeitslohn mit Versorgungsfreibetrag, aus Direkt­versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds fließen sonstige Einkünfte ohne Fünftelregelung.
  • Im Modell 2026 bleiben von 400 € Betriebsrente aus einer Direkt­versicherung 264,96 € netto, von 40.000 € Kapital 23.609,40 € nach Steuer und zehn Jahren Kranken- und Pflege­versicherung.
  • Bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse ist der Arbeitgeber in der Rentenphase in der Regel Zahlstelle, Lohnsteuerabzieher und Anpassungsprüfer, bei den übrigen Wegen zahlt und meldet der Versorgungsträger.

Bei der Auszahlung zeigt sich, ob Ihre Betriebsrente gut gebaut ist

Von 40.000 Euro Kapital aus einer Direkt­versicherung bleiben einem gesetzlich versicherten Rentner im Modell 2026 rund 23.600 Euro. Wie viel genau, hat der Arbeitgeber oft Jahrzehnte vorher festgelegt: mit Durchführungsweg, Kapitalwahlrecht und Versorgungsordnung. Dazu kommen Pflichten in der Rentenphase, von der Anpassungsprüfung bis zur Zahlstellenmeldung. Nicht weil jemand etwas falsch gemacht hat, sondern weil nach der Einrichtung niemand mehr draufgeschaut hat. Dieser Artikel zeigt, was bei Ihren Mitarbeitern netto ankommt und was Sie als Arbeitgeber regeln müssen. Sie möchten das nicht allein prüfen? Wir begleiten Sie von der Analyse bis zur Umsetzung.

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Das ist neu in 2026

  • Neue Abfindungsgrenzen: Seit 22.01.2026 dürfen Arbeitgeber Anwartschaften bis 59,33 Euro im Monat (Kapital 7.119 Euro) ohne Zustimmung abfinden, mit Zustimmung und Einzahlung in die gesetzliche Rente bis 79,10 Euro (9.492 Euro). → Mehr dazu im Abschnitt „Ab wann wird die Betriebsrente ausgezahlt?“
  • Teilrente reicht ab 2027: Ab 01.01.2027 können Mitarbeiter die Betriebsrente schon verlangen, wenn sie die gesetzliche Altersrente als Teilrente beziehen. → Mehr dazu im Abschnitt „Versorgungsordnung prüfen“
  • Höherer Freibetrag: 2026 bleiben 197,75 Euro Betriebsrente im Monat frei von Kranken­versicherungsbeiträgen, 2025 waren es 187,25 Euro. → Mehr dazu im Abschnitt „Abzüge bei der Auszahlung“

Was bei der Auszahlung ankommt, entscheiden Arbeitgeber beim Einrichten

Die Auszahlung der Betriebsrente beginnt, wenn der Versorgungsfall eintritt: in der Regel mit der gesetzlichen Altersrente, frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Ausgezahlt wird als Rente, Einmalkapital oder Mischung. Davon gehen Einkommensteuer sowie Kranken- und Pflege­versicherung ab, weil die Beiträge in der Ansparphase gefördert wurden. Was Ihre Mitarbeiter wählen dürfen, steht in Versorgungsordnung oder Tarif.

Die Weichen stellen Sie also lange vor dem ersten Rentenmonat. Bei Direkt­versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds zahlt und meldet der externe Versorgungsträger, bei Ihnen bleiben vor allem Information und Einstandspflicht. Bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse ziehen Sie in der Regel Lohnsteuer und Krankenkassenbeiträge ab und prüfen alle drei Jahre eine Rentenerhöhung. Die Grundlagen der betrieblichen Altersversorgung für Arbeitgeber reichen damit bis in die Rentenphase.

Jeder Anwärter wird zum Auszahlungsfall

Beim Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) waren 2025 rund 4,8 Millionen Betriebsrentner aus insolvenzgesicherten Zusagen gemeldet, dazu 9,63 Millionen Anwärter (Quelle: PSVaG). Jeder von ihnen erhält seine Leistung nach den Regeln, die beim Einrichten galten.

Ihre Betriebsrente, von der Auszahlung her gelesen

Was Ihre Mitarbeiter netto bekommen und welche Pflichten auf Sie zukommen, steht schon heute in Versorgungsordnung und Bestandsverträgen. Wir analysieren zuerst die Altlasten, Zusage für Zusage, und zeigen Ihnen, wo die Auszahlung später hakt. Erst dann bauen wir neu.

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Ab wann wird die Betriebsrente ausgezahlt?

Die Betriebsrente wird regulär mit Erreichen der Altersgrenze der Versorgungsordnung ausgezahlt, meist zusammen mit der gesetzlichen Regelaltersrente, frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres (Zusagen vor 2012: 60). Diese steuerliche Untergrenze gilt für Zusagen ab dem 01.01.2012 (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Direkt­versicherungen aus älteren Zusagen lassen sich deshalb teils mit 60 auszahlen. Bei Entgeltumwandlung gilt die Zusage mit der ersten Gehaltsänderungsvereinbarung als erteilt.

Die Altersgrenze knüpft meist an die gesetzliche Regelaltersgrenze an. Für alle ab 1964 Geborenen liegt sie bei 67 Jahren, ältere Jahrgänge erreichen sie stufenweise zwischen 65 und 67 (Quelle: § 35 SGB VI).

Kann die bAV auch vorzeitig ausgezahlt werden?

Nein, vor dem Versorgungsfall lässt sich die Betriebsrente grundsätzlich nicht vorzeitig auszahlen. Das Betriebsrentengesetz (BetrAVG) verbietet es, unverfallbare Anwartschaften und laufende Renten abzufinden, außer in eng begrenzten Fällen (Quelle: § 3 Abs. 1 BetrAVG).

Bei der Direkt­versicherung kommt eine zweite Sperre hinzu. Scheidet ein Mitarbeiter aus, darf er das Deckungskapital aus Arbeitgeberbeiträgen weder abtreten noch beleihen noch durch Kündigung abrufen (Quelle: § 2 Abs. 2 BetrAVG). Die Versicherung läuft beitragsfrei bis zum Rentenbeginn weiter. Was bei einer Kündigung gilt, erklären wir auf der Seite bAV kündigen.

Möglich ist dagegen ein Bezug vor der festen Altersgrenze. Wer die gesetzliche Altersrente als Vollrente bezieht, kann auf Verlangen auch die Betriebsrente beziehen, sobald Wartezeit und sonstige Voraussetzungen erfüllt sind (Quelle: § 6 BetrAVG). Die Versorgungsordnung darf dafür Abschläge vorsehen.

Ab dem 01.01.2027 reicht dafür auch eine gesetzliche Teilrente. Das Zweite Betriebsrenten­stärkungsgesetz (BRSG II) streicht in § 6 BetrAVG die Wörter „als Vollrente“ und das Recht des Arbeitgebers, die Betriebsrente bei einer Teilrente einzustellen (Quelle: BGBl. 2026 I Nr. 14). Pensionskassen dürfen eine entsprechende Regel schon seit dem 22.01.2026 vorsehen.

Wie hoch ist die Bagatellgrenze für die Kapitalabfindung?

Die Bagatellgrenze liegt 2026 bei 59,33 Euro Monatsrente beziehungsweise 7.119 Euro Kapital. Bis dahin darf der Arbeitgeber nach § 3 Abs. 2 BetrAVG eine Anwartschaft beim Ausscheiden oder eine laufende Rente ohne Zustimmung abfinden. Die Grenzen entsprechen 1,5 Prozent beziehungsweise 18 Zehnteln der monatlichen Bezugsgröße (Rechengröße der Sozial­versicherung) von 3.955 Euro (Quelle: § 1 SVBezGrV 2026). Bis zum 21.01.2026 galten nur ein Prozent und zwölf Zehntel.

Neu seit dem 22.01.2026 ist eine zweite Stufe: Mit Zustimmung des Mitarbeiters darf der Arbeitgeber Anwartschaften bis 79,10 Euro Monatsrente beziehungsweise 9.492 Euro Kapital abfinden, wenn er den Betrag unmittelbar in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlt. Für laufende Renten gilt diese Stufe nach dem Wortlaut von § 3 Abs. 2a BetrAVG nicht.

Die Abfindung ist gesondert auszuweisen und einmalig zu zahlen. Nutzt der Mitarbeiter sein Recht auf Übertragung zum neuen Arbeitgeber, ist sie ausgeschlossen. Sinnvoll sein kann sie für beide Seiten: Der Mitarbeiter erhält den Betrag sofort, dem Arbeitgeber bleiben Jahrzehnte der Verwaltung erspart.

Wann und wie wird die Auszahlung beantragt?

  • Der Mitarbeiter beantragt die Auszahlung beim Versorgungsträger, bei der Direktzusage beim Arbeitgeber.
  • Als Faustregel empfehlen wir den Antrag rund drei Monate vor Rentenbeginn.
  • Gebraucht werden unter anderem Rentenbescheid, Bankverbindung, Kranken­versicherungsdaten und Steuer-Identifikationsnummer.
  • Ein später Antrag kostet nicht sofort Ansprüche. Das Stammrecht verjährt erst nach 30 Jahren, einzelne Monatsraten nach drei Jahren (Quelle: § 18a BetrAVG).
  • Kürzere Fristen für das Stammrecht kann nur ein Tarifvertrag vorsehen, eine Versorgungsordnung darf davon nicht zulasten der Mitarbeiter abweichen (Quelle: § 19 BetrAVG).

Experten-Tipp:
Der Rentenantrag ist der letzte Schritt, nicht der erste

„Der übliche Ablauf beginnt, wenn der Mitarbeiter mit dem Rentenbescheid in der Personalabteilung steht. Für den Antrag reicht das. Für die Entscheidung zwischen Rente und Kapital und die Frage, was netto ankommt, ist es knapp. Mein Rat: Führen Sie eine Liste je Rentenjahrgang und sprechen Sie jeden Mitarbeiter rund ein Jahr vor Rentenbeginn an, mit Fristen, Unterlagen und den Optionen aus seiner Zusage.“

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Betriebsrente auszahlen lassen oder monatliche Rente?

Ob ein Mitarbeiter zwischen monatlicher Rente und Einmalkapital wählen darf, entscheidet die Zusage, nicht der Mitarbeiter. Das Betriebsrentengesetz schreibt keine bestimmte Form vor. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) behandelt laufende Renten und einmalige Kapitalleistungen als grundsätzlich gleichwertige Formen der betrieblichen Altersversorgung (Quelle: BAG). Welche Formen ein Durchführungsweg zulässt, zeigt der Überblick Durchführungswege im Vergleich.

Monatliche Rente: lebenslang, aber dauerhaft beitragspflichtig

Die lebenslange Rente ist die Grundform. Sie sichert das Langlebigkeitsrisiko ab, bleibt aber dauerhaft beitragspflichtig in der Kranken­versicherung. Nur sie ist bei der Grundsicherung im Alter durch einen Freibetrag geschützt.

Kapitalauszahlung (Einmalkapital): Progression im Auszahlungsjahr, zehn Jahre Krankenkassenbeiträge

Bei der Kapitalauszahlung, auch Kapitalisierung oder Einmalzahlung genannt, fließt das gesamte Kapital auf einmal. Steuerlich fällt es in ein einziges Jahr und hebt den Steuersatz. In der Kranken- und Pflege­versicherung wird ein Hundertzwanzigstel des Kapitals zehn Jahre lang wie eine Monatsrente verbeitragt, danach ist Schluss (Quelle: § 229 Abs. 1 SGB V).

Für geförderte Direkt­versicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds gilt eine wichtige Frist. Das Kapitalwahlrecht selbst schadet nicht, maßgeblich ist das letzte Jahr vor Leistungsbeginn. Wählt der Mitarbeiter früher, sind die ab dann gezahlten Beiträge nicht mehr nach § 3 Nr. 63 Einkommensteuergesetz (EStG) gefördert (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021).

Teilkapital: ein Teil auf einmal, der Rest als Rente

Bei der Teilkapitalisierung wird ein Teil ausgezahlt, der Rest läuft als Rente. Bei geförderten Verträgen lässt die Finanz­verwaltung bis zu 30 Prozent des Kapitals zu Beginn der Auszahlungsphase zu, so Randnummer 68 des BMF-Schreibens vom 12.08.2021. Ob Tarif oder Zusage Teilkapital anbieten, regelt der Vertrag.

Bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse hat Teilkapital einen Haken. Über mehrere Kalenderjahre verteilt, entfällt die Fünftelregelung (Steuerermäßigung für Einmalzahlungen nach § 34 EStG), weil keine Zusammenballung vorliegt, so Randnummer 147 desselben Schreibens. Bei Direkt­versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds gibt es sie ohnehin nicht.

Seit dem 22.01.2026 darf auch der Pensionsfonds die Altersleistung als lebenslange Zahlung, als Einmalkapital oder in Raten erbringen, auch mit teilweisem oder vollständigem Kapitalwahlrecht (Quelle: BGBl. 2026 I Nr. 14).

KriteriumMonatliche RenteEinmalkapitalTeilkapital plus Rente
Absicherung bei langem LebenLebenslangKeine, Kapital kann aufgebraucht werdenFür den Rentenanteil lebenslang
EinkommensteuerLaufend, nach persönlichem SteuersatzVolle Summe in einem Jahr, Fünftelregelung nur bei Direktzusage und Unterstützungs­kasseKapitalanteil im Auszahlungsjahr, Rente laufend
Kranken- und Pflege­versicherungDauerhaft, solange die Rente läuft1/120 des Kapitals für 120 MonateBeides, Freibetrag einmal auf die Summe
Aufwand beim Arbeitgeber mit DirektzusageLaufend bis zum LebensendeEinmalige AbwicklungEinmalig plus laufend

Experten-Tipp:
Bei Rente oder Kapital gibt die Personalabteilung besser keine Empfehlung

„Rentennahe Mitarbeiter fragen die Personalabteilung direkt: Rente oder Kapital? Eine gut gemeinte Empfehlung wird dann schnell zur Auskunft mit Haftung. Dazu kommt: Wer das Kapitalwahlrecht zu früh ausübt, verliert die Förderung der letzten Beiträge. Mein Rat: Zeigen Sie beide Wege mit denselben Zahlen und ohne Wertung, und halten Sie das Datum der Wahl in Textform fest. Die Entscheidung bleibt beim Mitarbeiter.“

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Welche Abzüge gibt es bei der Auszahlung der Betriebsrente?

Von der Betriebsrente gehen Einkommensteuer sowie Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung ab, bei Kirchenmitgliedern auch Kirchensteuer. Soweit die Beiträge gefördert waren, ist sie voll steuerpflichtig, auch bei Entgeltumwandlung. Der Besteuerungsanteil von 84,0 Prozent für einen Rentenbeginn 2026 gilt nur für die gesetzliche Rente (Quelle: § 22 EStG).

AbzugDirektzusage, Unterstützungs­kasseDirekt­versicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds
EinkommensteuerArbeitslohn (§ 19 EStG) mit Versorgungsfreibetrag, Lohnsteuerabzug in der Regel durch den ArbeitgeberSonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 5 EStG), kein Lohnsteuerabzug, Angabe in der Steuererklärung
Fünftelregelung bei KapitalMöglich, seit 2025 nur über die SteuererklärungNein
Kranken­versicherung (pflichtversichert)Rechnerisch 17,5 % auf den Teil über 197,75 €, einbehalten von der ZahlstelleWie links, einbehalten vom Versorgungsträger
Pflege­versicherung3,6 % (kinderlos 4,2 %) auf den vollen Betrag, wenn er 197,75 € übersteigtWie links, einbehalten vom Versorgungsträger

Steuer: Der Durchführungsweg bestimmt die Einkunftsart

Leistungen aus Direktzusage und Unterstützungs­kasse sind Versorgungsbezüge und damit Arbeitslohn nach § 19 EStG. Der Versorgungsfreibetrag beträgt bei Versorgungsbeginn 2026 12,8 Prozent, höchstens 960 Euro, plus 288 Euro Zuschlag, für die gesamte Laufzeit (Quelle: § 19 Abs. 2 EStG).

Leistungen aus Direkt­versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 5 EStG ohne Lohnsteuerabzug. Der Versorgungsträger meldet sie per Rentenbezugsmitteilung an die Finanz­verwaltung, der Rentner erklärt sie selbst (Quelle: § 22a EStG).

Fünftelregelung: Entlastung nur bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse

Die Fünftelregelung nach § 34 EStG dämpft die Progression bei Kapital: Die Mehrsteuer wird für ein Fünftel des Kapitals ermittelt und dann verfünffacht. Seit 2025 wirkt sie nicht mehr im Lohnsteuerabzug, sondern erst mit dem Steuerbescheid des Rentners (Quelle: § 39b Abs. 3 EStG).

Für Direkt­versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds schließt die Finanz­verwaltung die Fünftelregelung aus (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Die Besteuerung im Detail erklären wir auf der Seite Steuer bei der bAV.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat das am 30.10.2025 in zwei Urteilen bestätigt, X R 25/23 und X R 28/23 (Quelle: BFH). Kein Fünftel gibt es danach für Kapital aus Direkt­versicherung oder Pensionskasse mit freiem Kapitalwahlrecht.

Für Kapitalabfindungen, die Arbeitslohn sind, verweist der BFH auf seinen VI. Senat, der trotz Wahlmöglichkeit den ermäßigten Steuersatz gewährt (Quelle: BFH). Ob das für Direktzusagen mit Kapitalwahlrecht dauerhaft trägt, ist nicht abschließend geklärt.

Experten-Tipp:
Die Fünftelregelung kommt seit 2025 erst mit dem Steuerbescheid

„Die Fünftelregelung gilt als Entlastung bei Kapital aus der Direktzusage. Auf der Abrechnung sieht der Mitarbeiter davon seit 2025 nichts mehr: Sie behalten die Lohnsteuer ohne Fünftelung ein, die Entlastung kommt erst mit dem Steuerbescheid. Mein Rat: Kündigen Sie das vor der Auszahlung schriftlich an, mit einer kurzen Beispielrechnung. Dann wird aus der Beschwerde in der Lohnbuchhaltung eine Erstattung, mit der Ihr Mitarbeiter schon rechnet.“

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Kranken- und Pflege­versicherung: Freibetrag und Freigrenze

Pflichtversicherte Rentner in der Kranken­versicherung der Rentner (KVdR) zahlen auf die Betriebsrente den vollen Beitrag allein (Quelle: § 250 Abs. 1 SGB V).

Der Beitragssatz liegt 2026 bei 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag der Kasse. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag beträgt 2026 laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) 2,9 Prozent (Quelle: BMG). Rechnerisch sind das 17,5 Prozent, erhoben wird der Satz der jeweiligen Kasse.

2026 bleiben 197,75 Euro im Monat in der Kranken­versicherung beitragsfrei, nur der Betrag darüber ist beitragspflichtig (Quelle: § 226 Abs. 2 SGB V). Das ist ein Zwanzigstel der monatlichen Bezugsgröße von 3.955 Euro, 2025 waren es 187,25 Euro. Der Freibetrag gilt für alle Durchführungswege, also auch für die Pensionskasse, und einmal für die Summe aller Versorgungsbezüge.

Pflege­versicherung: Freigrenze und Beitragssatz

  • In der Pflege­versicherung gibt es nur die Freigrenze (Quelle: § 57 Abs. 1 SGB XI). Liegt die Summe der Betriebsrenten über 197,75 Euro, ist der volle Betrag beitragspflichtig.
  • Der Beitragssatz beträgt seit dem 01.01.2025 3,6 Prozent (Quelle: § 1 PBAV 2025).
  • Kinderlose zahlen 0,6 Punkte Zuschlag, zusammen 4,2 Prozent. Abschläge für mehrere Kinder gelten nur bis zum 25. Geburtstag der Kinder, Rentner zahlen deshalb meist 3,6 Prozent (Quelle: § 55 Abs. 3 SGB XI).

Sonderfälle: freiwillig Versicherte, Privatversicherte und Kapital

  • Freiwillig gesetzlich Versicherte haben weder Freibetrag noch Freigrenze und zahlen den allgemeinen Beitragssatz auf die volle Betriebsrente (Quelle: § 240 SGB V). Privat Versicherte zahlen darauf keine Beiträge.
  • Beitragsfrei ist auch der Teil aus privat fortgeführten Verträgen, den ein ehemaliger Mitarbeiter als alleiniger Versicherungsnehmer selbst bezahlt hat (Quelle: § 229 Abs. 1 SGB V). Mehr dazu auf der Seite Arbeitgeberwechsel mit bAV.
  • Bei einer Kapitalauszahlung gelten Freibetrag und Freigrenze für das Hundertzwanzigstel, das zehn Jahre lang als Monatsbezug zählt (§ 229 Abs. 1 SGB V).

Ob Ihre Mitarbeiter auf die Betriebsrente rechnerisch 17,5 Prozent Kranken­versicherung zahlen oder gar keine, hängt vom Versicherungsstatus ab. Welche Konstellationen in Ihrer Belegschaft vorkommen, werten wir mit Ihnen aus. Im bAV-Gespräch erfahren Sie, was in typischen Fällen netto ankommt und wie Sie es verständlich erklären.

Altverträge vor 2005: andere Steuerregeln

Direkt­versicherungen und Pensionskassen, deren Beiträge vor 2005 pauschal nach § 40b EStG alter Fassung versteuert wurden, folgen eigenen Regeln (Quelle: § 52 Abs. 40 EStG). Lebenslange Renten daraus werden nach § 22 Nr. 5 Satz 2 EStG nur mit dem Ertragsanteil besteuert, einem gesetzlich pauschal festgelegten Anteil.

Wird die Betriebsrente auf die Grundsicherung angerechnet?

Nur teilweise. Bei der Grundsicherung im Alter bleiben 100 Euro monatlich aus einer „zusätzlichen Altersvorsorge“ anrechnungsfrei, dazu 30 Prozent des Betrags darüber, höchstens die Hälfte der Regelbedarfsstufe 1 (Quelle: § 82 Abs. 4 SGB XII). Das gilt für laufende Betriebsrenten, nicht für Kapital.

Bei 563 Euro Regelsatz für Alleinstehende 2026 sind höchstens 281,50 Euro anrechnungsfrei (Quelle: Bundesregierung). Von 250 Euro Betriebsrente bleiben zum Beispiel 145 Euro frei. Der Freibetrag gilt einmal für alle zusätzlichen Renten zusammen.


Rechenbeispiele 2026: Was von der Betriebsrente netto bleibt

Von 400 Euro Betriebsrente aus einer Direkt­versicherung bleiben einem gesetzlich pflichtversicherten Rentner mit 2.000 Euro gesetzlicher Rente im Modell 2026 264,96 Euro netto. Von 40.000 Euro Kapital aus demselben Durchführungsweg bleiben nach Steuer und zehn Jahren Kranken- und Pflege­versicherung 23.609,40 Euro. Beides sind eigene Modellrechnungen mit den Rechengrößen 2026, keine Statistik.

Die Prämissen der Modellrechnung

PrämisseWert
RentenbeginnGesetzliche Rente und Betriebsrente am 01.01.2026, volles Rentenjahr 2026, Regelaltersgrenze erreicht
Gesetzliche Rente2.000 € brutto im Monat, 24.000 € im Jahr
Besteuerungsanteil gesetzliche Rente84,0 % (Rentenbeginn 2026), also 20.160 € steuerpflichtig
BetriebsrenteVoll steuerpflichtig, nach § 22 Nr. 5 EStG (Direkt­versicherung) oder § 19 EStG (Direktzusage, Unterstützungs­kasse)
Durchführungsweg GrundfallDirekt­versicherung mit geförderten Beiträgen, gilt gleich für Pensionskasse und Pensionsfonds
Werbungskosten102 € gemeinsam für gesetzliche Rente und Direkt­versicherung, bei § 19 EStG zusätzlich eigene 102 €
Versorgungsfreibetrag (nur § 19 EStG)12,8 %, höchstens 960 €, Zuschlag 288 €
SonderausgabenPauschbetrag 36 €, Kranken- und Pflege­versicherungsbeiträge des Jahres voll abziehbar
FamilienstandAlleinstehend, Einzelveranlagung, Grundtarif, keine weiteren Einkünfte
KirchensteuerGrundfall nein, Variante 9 %
Kranken­versicherungGrundfall pflichtversichert in der KVdR, 14,6 % plus 2,9 % durchschnittlicher Zusatzbeitrag = 17,5 % auf Versorgungsbezüge
Freibetrag und Freigrenze197,75 € im Monat, Freibetrag nur Kranken­versicherung, Freigrenze Kranken- und Pflege­versicherung
Pflege­versicherungGrundfall Eltern mit Kindern über 25: 3,6 %, Variante kinderlos 4,2 %
SteuertarifEinkommensteuertarif 2026
Die Einkommensteuer ist nach dem Tarif 2026 gerechnet, als Steuer auf die Betriebsrente gilt die Differenz mit und ohne Betriebsrente (Quelle: § 32a EStG). Solidaritätszuschlag fällt nicht an, weil die Einkommensteuer unter 20.350 Euro bleibt. Kranken- und Pflege­versicherungsbeiträge sind voll als Sonderausgaben abgezogen, weil Rentner keinen Anspruch auf Krankengeld haben (Quelle: § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG).

Beispiel 1: Was bleibt von 2.000 Euro gesetzlicher Rente?

Die gesetzliche Rente bestimmt in beiden Betriebsrenten-Beispielen den Steuersatz. Pflichtversicherte tragen auf sie nur den halben Kranken­versicherungsbeitrag, im Modell 8,75 Prozent (Quelle: § 249a SGB V). Von 2.000 Euro bleiben so 1.681,17 Euro netto im Monat.

RechenschrittGrundfall (Eltern, ohne Kirchensteuer)Variante kinderlos
Nach Kranken- und Pflege­versicherung im Monat1.753,00 €1.741,00 €
Einkommensteuer 2026 (zu versteuerndes Einkommen 17.058 € beziehungsweise 16.914 €)−71,83 € im Monat−69,08 € im Monat
Netto im Monat (mit 9 % Kirchensteuer)1.681,17 € (1.674,70 €)1.671,92 € (1.665,70 €)

Beispiel 2: 400 Euro Betriebsrente neben der gesetzlichen Rente

Rechenschritt (Grundfall: Direkt­versicherung, KVdR, Eltern, ohne Kirchensteuer)Betrag
Betriebsrente brutto im Monat400,00 €
Kranken­versicherung 17,5 % auf 202,25 € (400,00 € minus Freibetrag 197,75 €)−35,39 €
Pflege­versicherung 3,6 % auf volle 400 € (Freigrenze überschritten)−14,40 €
Nach Kranken- und Pflege­versicherung350,21 €
Zu versteuerndes Einkommen ohne Betriebsrente17.058 €, Einkommensteuer 862 €
Plus Betriebsrente 4.800 € im Jahr, minus Beiträge darauf 597,48 €Zu versteuerndes Einkommen 21.260 €, Einkommensteuer 1.885 €
Mehrsteuer durch die Betriebsrente1.023 € im Jahr, −85,25 € im Monat
Netto aus der Betriebsrente im Monat264,96 € (66,24 %)
Gesamtnetto mit gesetzlicher Rente im Monat1.946,13 €
Von 400 Euro Betriebsrente bleiben 264,96 Euro (66,24 Prozent). Abgezogen werden 49,79 Euro Kranken- und Pflege­versicherung und 85,25 Euro Einkommensteuer im Monat.
Variante (nur eine Prämisse geändert)Kranken­versicherungPflege­versicherungMehrsteuerKirchensteuerNetto BetriebsrenteNetto-QuoteGesamtnetto
A Grundfall Direkt­versicherung35,39 €14,40 €85,25 €0,00 €264,96 €66,24 %1.946,13 €
B Direktzusage oder Unterstützungs­kasse35,39 €14,40 €64,33 €0,00 €285,88 €71,47 %1.967,05 €
C Kinderlos35,39 €16,80 €84,33 €0,00 €263,48 €65,87 %1.935,40 €
D Mit Kirchensteuer 9 %35,39 €14,40 €85,25 €7,67 €257,29 €64,32 %1.931,99 €
E Freiwillig gesetzlich versichert70,00 €14,40 €76,58 €0,00 €239,02 €59,76 %1.920,19 € ¹
F Privat versichert0,00 €0,00 €97,83 €0,00 €302,17 €75,54 %1.983,34 € ¹
¹ E und F unterstellen für die gesetzliche Rente dieselbe Beitrags- und Steuerbasis wie A, ohne eigenen Kranken­versicherungsbeitrag und Zuschuss der Renten­versicherung. Das Gesamtnetto ist dort nur bedingt aussagekräftig, die Netto-Betriebsrente schon.

Den größten Unterschied macht der Kranken­versicherungsstatus. Aus Direktzusage oder Unterstützungs­kasse bleiben wegen Versorgungsfreibetrag und eigenem Pauschbetrag 20,92 Euro mehr im Monat als aus der Direkt­versicherung.

Bei der Direktzusage zieht der Arbeitgeber auf 400 Euro als einzigen Arbeitslohn in Steuerklasse I keine Lohnsteuer ab. Die Steuer von 772 Euro im Jahr kommt erst mit der Veranlagung, als Nachzahlung. Das sollten Ihre Mitarbeiter wissen.

Beispiel 3: 40.000 Euro Kapital neben der gesetzlichen Rente

Das Kapital fließt im Januar 2026, im Jahr des Rentenbeginns. Im Modell beginnt die Beitragspflicht im Folgemonat und läuft 120 Monate. 2026 sind damit elf Monatsbeiträge steuerlich abziehbar.

Rechenschritt (Grundfall: Direkt­versicherung, KVdR, Eltern, ohne Kirchensteuer)Betrag
Kapital brutto40.000,00 €
Monatlicher Versorgungsbezug: 1/120 von 40.000 €333,33 €
Kranken­versicherung 17,5 % auf 135,58 € (333,33 € minus 197,75 €)23,73 € im Monat
Pflege­versicherung 3,6 % auf 333,33 €12,00 € im Monat
Kranken- und Pflege­versicherung zusammen35,73 € im Monat
Kranken- und Pflege­versicherung über zehn Jahre (120 Monate)4.287,60 €
Davon im Steuerjahr 2026 (elf Monate)393,03 €
Zu versteuerndes Einkommen ohne Kapital17.058 €, Einkommensteuer 862 €
Plus Kapital voll, keine Fünftelregelung, minus Beiträge 2026Zu versteuerndes Einkommen 56.664 €, Einkommensteuer 12.965 €
Mehrsteuer durch das Kapital12.103 €
Kapital nach Kranken- und Pflege­versicherung, vor Steuer35.712,40 €
Kapital netto nach Steuer und zehn Jahren Kranken- und Pflege­versicherung23.609,40 € (59,02 %)
Gesetzliche Rente und Kapital 2026 brutto (64.000 €) minus Einkommensteuer51.035 €
Von 40.000 Euro bleiben 23.609,40 Euro (59,02 Prozent). Weil die Beiträge der Folgejahre als Sonderausgaben die Steuer mindern, liegt der wirtschaftliche Wert näherungsweise bei rund 24.481 Euro.
Variante (nur eine Prämisse geändert)Kranken- und Pflege­versicherung im Monat (über 120 Monate)Zu versteuerndes Einkommen 2026, EinkommensteuerMehrsteuerKirchensteuerKapital nettoNetto-Quote
A Grundfall Direkt­versicherung35,73 € (4.287,60 €)56.664 €, 12.965 €12.103 €0,00 €23.609,40 €59,02 %
C Kinderlos37,73 € (4.527,60 €)56.498 €, 12.903 €12.074 €0,00 €23.398,40 €58,50 %
D Mit Kirchensteuer 9 %35,73 € (4.287,60 €)Wie A12.103 €1.089,27 €22.520,13 €56,30 %
E Freiwillig gesetzlich versichert70,33 € (8.439,60 €)56.284 €, 12.823 €11.961 €0,00 €19.599,40 €49,00 %
F Privat versichert0 € (0 €)57.058 €, 13.113 €12.251 €0,00 €27.749,00 €69,37 %

Variante B: Direktzusage oder Unterstützungs­kasse mit Fünftelregelung

Bei Direktzusage oder Unterstützungs­kasse bleiben im Modell 26.220,40 Euro (65,55 Prozent). Versorgungsfreibetrag (960 Euro), Zuschlag (288 Euro) und Pauschbetrag (102 Euro) senken die außerordentlichen Einkünfte auf 38.650 Euro. Die Fünftelregelung senkt die Einkommensteuer von 12.463 auf 10.354 Euro. Insgesamt ist die Steuer 2.611 Euro niedriger als bei der Direkt­versicherung, sofern die Fünftelregelung bei dieser Direktzusage greift. Der Arbeitgeber behält Lohnsteuer ohne Fünftelung ein, die Entlastung von 2.109 Euro kommt erst mit dem Steuerbescheid.

Einordnung: Spanne statt Empfehlung

Ob Rente oder Kapital besser ist, zeigen die Beispiele bewusst nicht, denn 400 Euro Rente und 40.000 Euro Kapital sind nicht wertgleich. Ein fairer Vergleich braucht den Rentenfaktor des Tarifs (Monatsrente je 10.000 Euro Kapital), die Lebenserwartung und die übrigen Alterseinkünfte. Je nach Kranken­versicherungsstatus und Durchführungsweg bleiben von 40.000 Euro zwischen 19.599,40 und 27.749,00 Euro.

Die Beispiele rechnen mit einem einzigen Rentner. In Ihrer Belegschaft treffen verschiedene Durchführungswege, Kranken­versicherungen und Auszahlungsoptionen aufeinander. Was das für Ihre Mitarbeiter bedeutet, lässt sich nur an Ihren Verträgen beziffern.

Was von der Betriebsrente bei Ihren Mitarbeitern ankommt

Bei 40.000 Euro Kapital bleiben im Modell 2026 je nach Kranken­versicherungsstatus zwischen 19.599,40 und 27.749,00 Euro. Wir werten Ihre Bestandsverträge und die Versorgungsordnung aus und rechnen für die typischen Konstellationen Ihrer Belegschaft durch, was netto ankommt.

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Welche Pflichten haben Arbeitgeber in der Auszahlungsphase?

Arbeitgeber bleiben auch in der Auszahlungsphase in der Pflicht, bei jedem Durchführungsweg. Für zugesagte Leistungen steht der Arbeitgeber auch dann ein, wenn ein externer Versorgungsträger auszahlt (Quelle: § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG). Der übrige Aufwand hängt am Durchführungsweg: Bei der Direktzusage sind Sie Zahlstelle, Lohnsteuerabzieher und Anpassungsprüfer in einem.

AufgabeDirektzusageUnterstützungs­kasseDirekt­versicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds
Wer zahlt aus?Arbeitgeber selbstUnterstützungs­kasse, Arbeitgeber steht subsidiär einVersicherer, Pensionskasse oder Pensionsfonds
LohnsteuerArbeitgeberGrundsätzlich Arbeitgeber, Übernahme durch Unterstützungs­kasse oder Dienstleister mit Zustimmung des FinanzamtsKein Lohnsteuerabzug, Rentenbezugsmitteilung durch den Träger
Zahlstelle Kranken- und Pflege­versicherungArbeitgeberUnterstützungs­kasse oder beauftragter Dienstleister, im Einzelfall prüfenVersorgungsträger
Anpassungsprüfung alle drei JahreArbeitgeberArbeitgeberEntfällt bei Direkt­versicherung und Pensionskasse mit voller Überschussverwendung, beim Pensionsfonds im Einzelfall prüfen
Insolvenzsicherung über den PSVaGJaJaPensionsfonds ja, Pensionskasse ja außer bei Sicherungsfonds, Direkt­versicherung nur bei widerruflichem Bezugsrecht, Abtretung oder Beleihung
EinstandspflichtJaJaJa

Einstandspflicht: Wenn der Versorgungsträger kürzt

Kürzt eine Pensionskasse ihre Leistungen, muss der Arbeitgeber die Differenz ausgleichen. Das Bundesarbeitsgericht hat 2023 bestätigt, dass auch eine Verweisung auf die Satzung der Kasse daran nichts ändert (Quelle: BAG).

Anpassungsprüfung alle drei Jahre (§ 16 BetrAVG)

Bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse prüft der Arbeitgeber alle drei Jahre, ob er laufende Renten erhöht, und entscheidet nach billigem Ermessen (Quelle: § 16 BetrAVG). Maßstab sind die Belange des Rentners und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Erfüllt ist die Pflicht, wenn die Anpassung mindestens dem Anstieg der Verbraucherpreise oder der Nettolöhne vergleichbarer Arbeitnehmer entspricht.

Die Prüfung entfällt bei einer zugesagten jährlichen Anpassung um mindestens ein Prozent oder wenn bei Direkt­versicherung und Pensionskasse alle Überschüsse ab Rentenbeginn die Rente erhöhen. Bei Entgeltumwandlung ist eine dieser Lösungen Pflicht. Nach unserer Rechnung steigt eine Rente von 400 Euro so in zehn Jahren auf 441,85 Euro.

Unterbleibt eine Anpassung wegen der wirtschaftlichen Lage, muss der Arbeitgeber das schriftlich darlegen. Widerspricht der Rentner nicht binnen drei Kalendermonaten, gilt die Anpassung als zu Recht unterblieben. Ohne Darlegung droht eine Nachholung.

Experten-Tipp:
Prüfen Sie Rentenanpassungen nicht einzeln, sondern an einem Stichtag

„Wer die Anpassungsprüfung Rentner für Rentner erledigt, jeweils drei Jahre nach dem eigenen Rentenbeginn, hat bald ein Dutzend Termine und keinen Überblick. Mein Rat: Legen Sie alle Prüfungen auf einen gemeinsamen Stichtag und entscheiden Sie dort für den ganzen Bestand. Bleibt eine Anpassung wegen der wirtschaftlichen Lage aus, geht die Begründung schriftlich an jeden Rentner. Diese saubere Akte schützt Sie vor Nachholungen, die erst Jahre später auffallen.“

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Zahlstellenverfahren: Beiträge einbehalten und melden

  • Zahlt der Arbeitgeber selbst aus, ist er Zahlstelle. Er ermittelt die Krankenkasse des Rentners, meldet Beginn, Höhe und Änderungen elektronisch und behält die Beiträge ein (Quelle: § 202 SGB V).
  • Seit dem 01.07.2025 meldet er den Beginn auch an das Bundeszentralamt für Steuern und erhält von dort die Kinderdaten für den Pflegebeitrag (§ 202 Abs. 1a SGB V). Dafür braucht er die Steuer-Identifikationsnummer.
  • Die Beiträge werden am 15. des Folgemonats fällig, der Beitragsnachweis geht elektronisch an die Krankenkasse (Quelle: § 256 Abs. 1 SGB V).
  • Wer zu spät abführt, zahlt je angefangenen Monat einen Säumniszuschlag von einem Prozent des rückständigen, auf 50 Euro abgerundeten Betrags (Quelle: § 24 SGB IV).

Lohnsteuer bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse

Den Lohnsteuerabzug auf Leistungen aus Direktzusage und Unterstützungs­kasse übernimmt grundsätzlich der Arbeitgeber. Bei der Unterstützungs­kasse kann das Finanzamt zulassen, dass ein Dritter diese Pflichten erfüllt (Quelle: § 38 Abs. 3a EStG). Für die Lohnsteuer haftet der Arbeitgeber, auch bei Fehlern aus der Ansparphase. Übt ein Mitarbeiter sein Kapitalwahlrecht zu früh aus, hätten die danach gezahlten Beiträge versteuert werden müssen (Quelle: § 42d Abs. 1 EStG). Die Personalabteilung sollte den Zeitpunkt der Wahl deshalb dokumentieren.

Insolvenzsicherung: PSV-Beiträge laufen weiter

Bei insolvenzgesicherten Zusagen meldet der Arbeitgeber bis zum 30. September die Beitragsbemessungsgrundlage, laufende Renten eingeschlossen, bei der Direktzusage per ­versicherungsmathematischem Gutachten (Quelle: § 11 BetrAVG). 2025 übernahm der PSVaG 614 Sicherungsfälle, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Beitragssatz lag bei 1,2 Promille (Quelle: PSVaG). Für 2026 erwartet der PSVaG 1,2 bis 2,5 Promille, festgesetzt im November 2026 (Quelle: PSVaG). Planen Sie mit einer Spanne.

Auskunft und Hinterbliebene

Auf Verlangen müssen Arbeitgeber oder Versorgungsträger verständlich und in Textform mitteilen, wie hoch die Betriebsrente voraussichtlich ausfällt, auch ausgeschiedenen Mitarbeitern und Hinterbliebenen (Quelle: § 4a BetrAVG).

Auch freiwillige Auskünfte müssen richtig, eindeutig und vollständig sein und bei einer Rechtsänderung korrigiert werden, wenn sie erkennbar künftig Bedeutung haben (Quelle: BAG). Eine falsche Auskunft kann Schadensersatz auslösen.

Stirbt ein Rentner, wird erst im Auszahlungszeitpunkt geprüft, ob ein berechtigter Hinterbliebener vorhanden ist: Ehegatten, Kinder im steuerlichen Sinn, frühere Ehegatten und in Textform benannte Lebensgefährten. Zahlungen an Erben oder beliebige Dritte gefährden die steuerliche Anerkennung (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021).

Mitarbeiter vor Rentenbeginn informieren

Die Kommunikation mit der Belegschaft ist ein Kern unserer Arbeit. Hier sind wir in der Marktführung unterwegs. Wir erklären Mitarbeitern in Informationsveranstaltungen und Einzelgesprächen, was ihre Zusage in der Auszahlung bedeutet. Wie das aussieht, zeigt unsere Seite zur Mitarbeiterkommunikation.

Fahrplan: Was vor und nach dem Rentenbeginn ansteht

Die Auszahlung folgt festen Zeitpunkten, vom ersten Gespräch rund ein Jahr vor Rentenbeginn bis zur Anpassungsprüfung. Wer zuständig ist, hängt am Durchführungsweg.

ZeitpunktWas ist zu tunZuständig bei Direktzusage oder Unterstützungs­kasseZuständig bei Direkt­versicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds
Rund 12 Monate vor RentenbeginnMitarbeiter ansprechen, Optionen aus der Zusage zeigen. Kapitalwahl ist ab jetzt ohne Verlust der Förderung möglichPersonalabteilungPersonalabteilung, Optionen laut Tarif
Bei Ausübung der KapitalwahlDatum der Wahl in Textform festhaltenPersonalabteilungPersonalabteilung
Rund 3 Monate vor RentenbeginnAntrag mit Unterlagen stellenBeim ArbeitgeberBeim Versorgungsträger
RentenbeginnKrankenkasse ermitteln und melden, Lohnsteuer einbehalten beziehungsweise RentenbezugsmitteilungArbeitgeber (Unterstützungs­kasse: Übernahme durch Dritte möglich)Versorgungsträger
15. des FolgemonatsBeiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung abführenArbeitgeber als ZahlstelleVersorgungsträger
Jährlich bis 30. SeptemberBeitragsbemessungsgrundlage an den PSVaG meldenArbeitgeberArbeitgeber, soweit insolvenzgesichert
Alle drei JahreAnpassungsprüfung, am besten an einem gemeinsamen StichtagArbeitgeberEntfällt bei voller Überschussverwendung
Ab 01.01.2027Gesetzliche Teilrente reicht als Auslöser für die BetriebsrenteArbeitgeber, Versorgungsordnung prüfenArbeitgeber, Tarif prüfen

Direktzusage in der Rentenphase: selbst zahlen oder auslagern?

Bei der Direktzusage zahlt der Arbeitgeber jede Rente selbst, lebenslang und aus dem laufenden Cashflow. Langlebigkeits- und Zinsrisiko bleiben im Unternehmen, die Pensionsrückstellung bleibt in der Bilanz. Wer das nicht dauerhaft tragen will, kann den Rentnerbestand einer Direktzusage auslagern.

Was eine Auslagerung verändert

Übernimmt ein Pensionsfonds den Rentnerbestand, zahlt er aus und übernimmt Zahlstelle und Meldungen. Auch der PSV-Beitrag sinkt: Beim Pensionsfonds sind für laufende Renten nur 20 Prozent des Deckungskapitals nach Anlage 1 zum Einkommensteuergesetz beitragspflichtig, bei der Direktzusage gilt der steuerliche Teilwert nach § 6a EStG (Quelle: § 10 Abs. 3 BetrAVG).

Ein Beispiel bei 1,2 Promille: Für einen 66-jährigen Rentner mit 400 Euro Monatsrente beträgt das Deckungskapital bei einer Unterstützungs­kasse das Elffache der Jahresrente, also 52.800 Euro (Quelle: Anlage 1 EStG). Bei einer Unterstützungs­kasse ergibt das 63,36 Euro Beitrag im Jahr, beim Pensionsfonds mit 20 Prozent 12,67 Euro.

Eines ändert sich nicht: Die Einstandspflicht bleibt auch nach einer Auslagerung beim Arbeitgeber. Was Auslagerung und externe Renten­verwaltung kosten, hängt von Alter, Zahl und Zusagen der Rentner ab. Einen Marktpreis gibt es nicht.

Bilanz, Liquidität und Konzern: was die Finanzleitung wissen sollte

Bei der Auslagerung auf einen Pensionsfonds zählt die Steuerwirkung des Einmalbeitrags. In Höhe der aufgelösten Pensionsrückstellung ist er im Jahr der Übertragung Betriebsausgabe, der Rest wird auf die folgenden zehn Wirtschaftsjahre verteilt (Quelle: § 4e Abs. 3 EStG). Enthält eine Direktzusage ein Kapitalwahlrecht, fließt bei Ausübung der ganze Betrag auf einmal ab.

In Konzernen kommen weitere Wege hinzu. Bei einer Treuhandlösung (Contractual Trust Arrangement) bleibt die Verpflichtung beim Arbeitgeber, das insolvenzgeschützte Treuhandvermögen wird in der Handelsbilanz mit der Pensionsrückstellung verrechnet (Quelle: § 246 Abs. 2 HGB).

Eine Rentnergesellschaft übernimmt den Rentnerbestand per Ausgliederung, eine Zustimmung der Rentner ist dafür nicht nötig. Der Arbeitgeber muss sie aber so ausstatten, dass sie laufende Renten und Anpassungen zahlen kann, sonst drohen Schadensersatzansprüche (Quelle: BAG).

Bei der Anpassungsprüfung im Konzern zählt die wirtschaftliche Lage des verpflichteten Unternehmens selbst. Ein Gewinnabführungsvertrag allein rechtfertigt keinen Durchgriff auf die Lage der herrschenden Gesellschaft (Quelle: BAG).

Ohne Auslagerung: Was dauerhaft bei Ihnen bleibt

Mit Direktzusage oder Unterstützungs­kasse tragen Sie Zahlstelle, Lohnsteuer, Anpassungsprüfung und PSV bis zum Lebensende des letzten Rentners, bei Hinterbliebenenleistungen darüber hinaus. Fehler fallen oft erst Jahre später auf, bei einer Prüfung oder einer Klage.

Pflichten bis zum letzten Rentner: Ihre Betriebsrente im Bestand

Anpassungsprüfung, Zahlstellenmeldung, PSV-Beitrag und Einstandspflicht laufen bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse über Jahrzehnte. Wir analysieren Ihren Rentnerbestand, zeigen offene Punkte und prüfen, ob eine Auslagerung wirtschaftlich passt. Finanzen, Recht und Steuern aus einer Hand, seit 2002 unser Mantra.

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Versorgungsordnung prüfen: Was bis Ende 2026 geregelt sein sollte

Die Versorgungsordnung entscheidet, welche Auszahlungsformen gelten, wer wählen darf und wann. Bis zum 31.12.2026 sollten Arbeitgeber mit Direktzusage oder Unterstützungs­kasse vor allem klären, was ab 2027 gilt, wenn ein Mitarbeiter eine gesetzliche Teilrente bezieht und weiterarbeitet. Wie eine rechtssichere Versorgungsordnung aufgebaut ist, erklären wir gesondert.

Teilrente ab 2027 und Ausscheidensklausel

Ab dem 01.01.2027 kann ein Mitarbeiter die Betriebsrente verlangen, sobald er eine gesetzliche Altersrente bezieht, auch als Teilrente, und zwar auch aus bestehenden Zusagen. Das Recht des Arbeitgebers, die Betriebsrente bei einer Teilrente einzustellen, fällt weg (Quelle: BGBl. 2026 I Nr. 14).

Teilrenten gibt es ab zehn Prozent der Vollrente (Quelle: § 42 Abs. 1 SGB VI). Ein Mitarbeiter kann also fast voll weiterarbeiten und ab 2027 trotzdem die Betriebsrente verlangen.

Ob die Betriebsrente ab 2027 auch neben dem Gehalt fließt, hängt am Wortlaut der Versorgungsordnung. Prüfen Sie vor allem, ob sie die Zahlung an das Ausscheiden aus dem Unternehmen knüpft (Ausscheidensklausel). Regeln Sie ausdrücklich, was gewollt ist.

Kapitalwahlrecht: Fenster, Form und Ausschluss nach Rentenbeginn

Ein Kapitalwahlrecht ist rechtssicher für beide Seiten, wenn es ein festes Fenster hat: frühestens zwölf Monate vor Leistungsbeginn, spätestens vor Rentenbeginn, in Textform. So bleibt die Förderung der letzten Beiträge erhalten, und die Mitarbeiter wissen, bis wann sie entscheiden (Quelle: BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Nach Rentenbeginn sollte die Wahl ausdrücklich ausgeschlossen sein.

Will der Arbeitgeber selbst statt der Rente Kapital zahlen, braucht er eine klare Klausel. Das Bundesarbeitsgericht lässt das in Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu, wenn das Kapital mindestens barwertgleich ist und die Entscheidung billigem Ermessen entspricht (Quelle: BAG). Als berechtigtes Interesse gelten etwa Betriebsübergabe, Betriebseinstellung oder unvorhersehbar gestiegener Verwaltungsaufwand. Die Beweislast trägt der Arbeitgeber, ausüben lässt sich das Recht nur bis zum Leistungsbeginn.

Wie schnell eine Klausel kippt, zeigt ein Fall mit Unterstützungs­kassenzusage. Der Arbeitgeber wollte eine Rente von rund 1.000 Euro im Monat durch die zehnfache Jahresrente ersetzen, gestützt auf den Leistungsplan einer Gruppenunterstützungskasse. Das BAG hielt das für unwirksam, weil das Kapital erkennbar hinter dem Barwert zurückblieb (Quelle: BAG).

Abfindungsklausel: neue Grenzen nutzen, alte Tarife prüfen

Die höheren Bagatellgrenzen gelten seit dem 22.01.2026. Versicherungs­bedingungen ziehen nicht immer mit: Ein Bedingungswerk einer Direkt­versicherung mit Stand 06/2025 erlaubt die Kleinbetragsabfindung nur bis ein Prozent der Bezugsgröße (Quelle: Besondere Bedingungen für die Direkt­versicherung).

Abfindungen über den Grenzen sind nichtig, auch wenn sie im Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung für den Arbeitsplatz verrechnet werden (Quelle: BAG). Die Rente bleibt dann geschuldet.

Abschläge und Hinterbliebenenklauseln

Für eine vorzeitige Altersleistung darf die Versorgungsordnung einen ­versicherungsmathematischen Abschlag vorsehen, in der vom BAG 2023 entschiedenen Zusage (3 AZR 501/21) zum Beispiel 0,5 Prozent je Monat. Bei vorzeitig ausgeschiedenen Mitarbeitern darf die fehlende Betriebstreue aber nicht doppelt mindernd berücksichtigt werden (Quelle: BAG). Doppelte Kürzungen führen zu Nachzahlungen für alle Rentenmonate in der Verjährungsfrist.

Bei Hinterbliebenenleistungen sind enge Klauseln riskant. Eine Mindestehedauer von zehn Jahren in Allgemeinen Geschäftsbedingungen hat das Bundesarbeitsgericht für unwirksam erklärt (Quelle: BAG). Im Ernstfall ist dann die volle Hinterbliebenenleistung fällig.

Betriebsrat: Mitbestimmung bei den Auszahlungsregeln

Hat Ihr Unternehmen einen Betriebsrat, bestimmt er bei der Ausgestaltung der Versorgungsordnung mit, also auch bei Kapitalwahl, Abfindung und Ausscheidensklausel (Quelle: § 87 Abs. 1 Nr. 8 und 10 BetrVG). Bei einer firmeneigenen Unterstützungs­kasse greift zusätzlich das Mitbestimmungsrecht für Sozialeinrichtungen. Wie weit die Mitbestimmung bei der Wahl des Durchführungswegs reicht, wird unterschiedlich beurteilt. Neue Auszahlungsregeln stimmen Sie am besten früh mit dem Betriebsrat ab.

Prüfliste: Sieben Klauseln für die Auszahlung vor dem 01.01.2027

Ob Ihre Versorgungsordnung ab 2027 trägt, zeigen sieben Prüffragen. Die Antworten stehen im Wortlaut Ihrer Zusagen und Tarife:

  1. Ausscheidensklausel: Wird die Betriebsrente erst nach dem Ausscheiden gezahlt, auch bei einer Teilrente ab 2027?
  2. Kapitalwahlrecht: Gibt es ein festes Fenster, frühestens zwölf Monate vor Leistungsbeginn, in Textform?
  3. Ausschluss nach Rentenbeginn: Ist die Kapitalwahl nach Rentenbeginn ausdrücklich ausgeschlossen?
  4. Kapital statt Rente auf Wunsch des Arbeitgebers: Ist das Kapital mindestens barwertgleich und die Klausel klar formuliert?
  5. Abfindung: Nutzen Versorgungsordnung und Tarife schon die Grenzen seit 22.01.2026?
  6. Abschläge: Wird die fehlende Betriebstreue nicht doppelt gekürzt?
  7. Hinterbliebene: Gibt es enge Klauseln wie eine Mindestehedauer in Allgemeinen Geschäftsbedingungen?

Ihre Regeln zur Auszahlung vor dem 01.01.2027 prüfen

Ab 2027 reicht eine gesetzliche Teilrente, um die Betriebsrente zu verlangen, auch aus bestehenden Zusagen. Ob Ihre Klauseln zu Ausscheiden, Kapitalwahl und Abfindung dazu passen, entscheidet der Wortlaut. Wir prüfen ihn und bauen die Auszahlungsregeln neu, solange bis Jahresende Zeit ist.

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Unsere Empfehlungen

Unsere Empfehlung an Arbeitgeber: Planen Sie die Auszahlung von Anfang an mit, wenn Sie eine bAV einrichten oder neu ordnen. Netto, Aufwand und Haftung entscheiden sich bei Durchführungsweg, Auszahlungsregeln und Kommunikation vor Rentenbeginn.

Für kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Renten­verwaltung ist ein externer Durchführungsweg wie die Direkt­versicherung in der Auszahlungsphase die schlankeste Lösung. Der Versorgungsträger zahlt aus und meldet, der Arbeitgeber behält die Einstandspflicht. Wer Direktzusagen im Bestand hat, sollte eine Auslagerung des Rentnerbestands prüfen lassen.

Bei größeren Belegschaften und Führungskräften lohnt der genaue Vergleich. Direktzusage und Unterstützungs­kasse bieten Versorgungsfreibetrag und bei Kapital die Fünftelregelung, dafür tragen Sie Zahlstelle, Lohnsteuer und Anpassungsprüfung selbst. Eine pauschale Empfehlung für Rente oder Kapital geben wir nicht, die Antwort hängt vom einzelnen Mitarbeiter ab.

Stephan Seidenfad · Geschäftsführung und bAV-Experte

„Finanzen, Recht und Steuern aus einer Hand, das ist seit 2002 unser Mantra. Wir analysieren immer erst die Altlasten. Dann bauen wir neu.“

Seit 2002 berät Stephan Seidenfad Unternehmen zur betrieblichen Altersversorgung, 2004 hat er von Buddenbrock mitgegründet. Über 1.000 Firmenkunden, vom 30-Mann-Betrieb bis zum Konzern mit 55.000 Mitarbeitern.

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Die häufigsten Fragen zur Auszahlung der Betriebsrente

Was ist die Auszahlungsphase der betrieblichen Altersversorgung?

Die Auszahlungsphase beginnt mit dem Versorgungsfall: Alter, Invalidität oder Tod (laut § 1 Abs. 1 BetrAVG). Die Altersleistung startet in der Regel mit dem Rentenbeginn, frühestens mit 62, bei Zusagen vor 2012 mit 60. Ausgezahlt wird als Monatsrente, Einmalkapital oder Kombination, soweit Zusage oder Tarif es erlauben. Dann fallen Einkommensteuer sowie Kranken- und Pflege­versicherung an.

Wie wird eine Direkt­versicherung mit 60 ausgezahlt?

Mit 60 ist die Auszahlung nur möglich, wenn die Zusage vor dem 01.01.2012 erteilt wurde. Für spätere Zusagen gilt 62 als Untergrenze (laut BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Zusage, nicht der Vertragsabschluss. Bei Entgeltumwandlung gilt die Zusage mit der ersten Gehaltsänderungsvereinbarung als erteilt.

Wann lohnt sich die Kapitalauszahlung mehr als die monatliche Rente?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, denn 400 Euro Rente und 40.000 Euro Kapital sind nicht wertgleich. Die Rente sichert das Langlebigkeitsrisiko ab und bleibt dauerhaft beitragspflichtig, Kapital wird nur zehn Jahre verbeitragt. Ob Kapital möglich ist, entscheidet die Zusage, einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht. Nach dem Bundesarbeitsgericht sind beide Formen gleichwertig.

Wie hoch ist die Steuer auf die bAV-Auszahlung?

Einen festen Steuersatz gibt es nicht. Die Auszahlung ist nachgelagert voll steuerpflichtig, soweit die Beiträge gefördert waren (laut § 22 EStG). Aus Direktzusage und Unterstützungs­kasse ist sie Arbeitslohn mit Versorgungsfreibetrag, aus den übrigen Durchführungswegen sind es sonstige Einkünfte für die Steuererklärung.

Wie viel Krankenkassenbeitrag fällt bei einer Kapitalauszahlung an?

Ein Hundertzwanzigstel des Kapitals gilt zehn Jahre lang als Monatsbezug (laut § 229 Abs. 1 SGB V). Im Modell 2026 sind das bei 40.000 Euro 333,33 Euro. Daraus ergeben sich 35,73 Euro Kranken- und Pflege­versicherung im Monat, zusammen 4.287,60 Euro. Grundlage sind rechnerisch 17,5 Prozent Kranken­versicherung (14,6 Prozent plus durchschnittlich 2,9 Prozent Zusatzbeitrag laut Bundesgesundheitsministerium).

Wie oft gilt der Freibetrag für die Kranken­versicherung, je Vertrag oder insgesamt?

Einmal insgesamt. Der Freibetrag von 197,75 Euro im Monat (2026, laut § 226 Abs. 2 SGB V) gilt einmal für die Summe aller Versorgungsbezüge, auch bei mehreren Betriebsrenten und bei einer Pensionskassenrente. In der Pflege­versicherung gibt es nur eine Freigrenze: Liegt die Summe darüber, ist der volle Betrag beitragspflichtig.

Wann wird die Betriebsrente auf die gesetzliche Rente angerechnet?

Auf die gesetzliche Altersrente wird die Betriebsrente nicht angerechnet. Beide Leistungen werden getrennt berechnet und gezahlt, auch bei einer Pensionskassenrente. Anders bei Hinterbliebenen: Auf eine gesetzliche Witwen- oder Witwerrente kann die Betriebsrente als Einkommen angerechnet werden (laut § 18a SGB IV).

Welche Rolle spielt der Durchführungsweg bei der Auszahlungsform?

Welche Formen möglich sind, regelt die Zusage oder der Tarif. Der Durchführungsweg bestimmt, wer auszahlt und wie versteuert wird. Bei Direktzusage und Unterstützungs­kasse ist die Leistung Arbeitslohn, bei Kapital kann die Fünftelregelung greifen. Bei den übrigen Wegen zahlt der Träger ohne Lohnsteuerabzug und Fünftelregelung. Die Einstandspflicht bleibt laut § 1 Abs. 1 BetrAVG beim Arbeitgeber.

Wer zahlt die Betriebsrente, wenn der Arbeitgeber insolvent wird?

Bei Insolvenz tritt der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) ein, bei Direktzusage, Unterstützungs­kasse, Pensionsfonds und vielen Pensionskassen. Die Leistung ist auf das Dreifache der monatlichen Bezugsgröße begrenzt, 2026 sind das 11.865 Euro im Monat (laut § 7 Abs. 3 BetrAVG). Eine Direkt­versicherung ist nur bei widerruflichem Bezugsrecht, Abtretung oder Beleihung erfasst. Zusagen der letzten zwei Jahre vor dem Sicherungsfall sind nur eingeschränkt geschützt.

Wie wird die bAV an Hinterbliebene ausgezahlt?

Hinterbliebenenleistungen gibt es nur, wenn die Zusage sie vorsieht. Form und Höhe regeln Zusage und Tarif. Als Berechtigte erkennt die Finanz­verwaltung Ehegatten, Kinder, frühere Ehegatten und in Textform benannte Lebensgefährten an (laut BMF-Schreiben vom 12.08.2021). Zahlungen an Erben oder beliebige Dritte gefährden die Anerkennung als betriebliche Altersversorgung.

Was passiert mit der bAV bei einem Arbeitgeberwechsel?

Eine Auszahlung gibt es beim Wechsel in der Regel nicht. Die Anwartschaft bleibt bestehen, wenn sie unverfallbar ist: nach drei Jahren Zusage bei Ausscheiden ab 21, bei Entgeltumwandlung sofort (laut § 1b BetrAVG). Der Mitarbeiter kann den Vertrag beitragsfrei stellen, privat fortführen oder unter Voraussetzungen übertragen.

Die Auszahlung planen, nicht abwarten.

In einem Gespräch klären wir, welche Auszahlungsregeln in Ihrem Bestand gelten, welche Pflichten auf Sie zukommen und wo Sie vor 2027 nachsteuern sollten.

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Anständig. Klar. Vorausschauend.

Entgeltumwandlung Bei der Entgeltumwandlung zahlen Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttoeinkommens in eine betriebliche Altersversorgung. Dadurch verringert sich das zu versteuernde Einkommen, wodurch Arbeitnehmer Steuern- und Sozialabgaben sparen. Beitragsbemessungsgrenze Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Rechengröße, die festlegt, bis zu welchem Betrag das Einkommen von gesetzlich Versicherten zur Beitragsberechnung der gesetzlichen Sozialversicherungen herangezogen wird. Es gibt verschiedene Werte für die Kranken- und Rentenversicherung. Regelaltersgrenze Das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter, ab dem eine Person ohne Abschläge die reguläre Altersrente beziehen kann. Aktuell liegt dies bei 67 Jahren. Cashflow Beschreibt den Geldfluss innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Er zeigt, wie viel Geld nach Abzug aller Ausgaben von den Einnahmen tatsächlich übrig bleibt. Ein Cashflow kann negativ, neutral oder positiv sein.
Das Team von von Buddenbrock auf einer Dachterrasse

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