Jackson Hole-Treffen 2022: Notenbanker kämpfen gegen die Inflation

Stephan Seidenfad
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Kampf gegen größte Inflation seit Jahrzehnten

„Willkommen in Jackson Hole“, steht auf der Internetseite der dortigen Handelskammer. „Wo Pioniere einst Abenteuer suchten“ – und ab heute weitere Abenteuer zu verhindern suchen, möchte man ergänzen. Denn in eben diesem Jackson Hole, einem knapp 2000 Meter hoch gelegenen Tal der Rocky Mountains in Wyoming, USA, in der Nähe des 10.000-Einwohner-Örtchens Jackson, beginnt heute eines der wichtigsten Treffen der Finanzbranche. Bis Samstag, den 27. August, sprechen dort Währungshüter und Finanzexperten der westlichen Welt über Wege aus der größten Inflation seit Jahrzehnten.

Finanzmarkt erwartet wichtiges Signal aus Jackson Hole

Das jährliche Gipfeltreffen in Jackson Hole genießt in der Finanzbranche immer große Aufmerksamkeit. Doch dieses Jahr ist sie besonders hoch. Im Fokus steht die Rede von Jerome Powell, dem Präsidenten der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed. Sie hat die Aufgabe, unter anderem durch die Steuerung des Leitzinses, die Preisstabilität in den USA zu gewährleisten, genau wie die Europäische Zentralbank für den Euro-Raum.

Die Stabilität der Preise ist zuletzt aus den Fugen geraten, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Inflationsraten jenseits der 8 Prozent und in den USA phasenweise sogar 9 Prozent, erwachsen aus der Corona-Pandemie, zusammengebrochenen Lieferketten und dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, stellen die Notenbanker vor große Herausforderungen.

Inflation: So reagierten Fed und EZB bisher

Powell und die Fed reagierten zuletzt mit Anhebungen des Leitzinses um zwei Mal 0,75 Prozentpunkte – üblich sind Erhöhungen von 0,25 Prozentpunkten. Die Europäische Zentralbank reagierte etwas später und zurückhaltender und hob zuletzt den Leitzins um 0,5 Prozent an. Auch dieser Schritt war allerdings historisch: Es war die erste Erhöhung des Leitzinses der EZB seit elf Jahren und das faktische Ende der Niedrigzinsphase in Europa.

Wie entwickelt sich die Inflation – und wie die Zinsen?

Die Frage, die jetzt für Wirtschaftsbosse, Finanzexperten und Privatanleger im Raum steht, ist: Wie setzt sich die Entwicklung nun fort? „Alle Augen der Branche sind ab heute auf das Treffen in Jackson Hole gerichtet“, sagt Sascha Riemann, Leiter der Vermögensverwaltung bei der von Buddenbrock Unternehmensgruppe. „Besonders im Fokus steht die Rede von Fed-Chef Jerome Powell. Da wird jeder Satz filetiert und analysiert, auf der Suche nach einem Signal oder einer Andeutung für die zukünftige Entwicklung. Bekommen die USA die Inflation in den Griff und fallen die nächsten Zinserhöhungen wieder kleiner aus?“

Finanzexperte erwartet weiteren Anstieg der Zinsen

Dass die Fed im September den Leitzins erneut anheben wird, ist für Sascha Riemann klar. Die Frage ist, wie hoch sie ausfällt. Werden es 0,5 Prozentpunkte oder 0,75,  wie zuletzt? „Ich persönlich erwarte 0,75 Prozentpunkte“, sagt Riemann. Auch er wird die Rede von Powell verfolgen, allerdings weniger hektisch als einige seiner Kollegen in der Branche. „Wir haben die von uns betreuten Portfolios bereits frühzeitig umgebaut und sind entsprechend vorbereitet. Unternehmen mit besonders hoher Verschuldung, die besonders von hohen Zinsen betroffen sind, haben wir bereits aus den Portfolios entfernt. Bei anderen Unternehmen läuft die Powell-Rede durch eine Software, die aus der Analyse automatisch Käufe und Verkäufe ableitet. Bei von Buddenbrock lösen wir das gemäß unserer Unternehmenswerte: mit Weitblick und gesundem Menschenverstand.“

Jackson Hole gibt Signal, Entscheidungen im September

Eine konkrete Entscheidung zum Leitzins wird in Jackson Hole nicht erwartet. Diese fällt in den USA das nächste Mal am 21. September und wird abhängig davon sein, wie die vorherigen Arbeitsmarkt- und Inflationszahlen ausfallen. Der Rat der Europäischen Zentralbank tagt bereits am 8. September, Experten gehen von einer weiteren Erhöhung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte aus. Auch die Inflation dürfte nach Einschätzung der meisten Experten bei uns zunächst weiter steigen. Die Entwicklungen im Finanzmarkt der EU laufen aktuell leicht verzögert, entsprechend richtet sich der Blick aktuell stärker auf die USA. In Deutschland droht sich die Situation Ende des Monats ohnehin zunächst weiter zu verschärfen, wenn das 9-Euro-Ticket und der Tankrabatt auslaufen. Auch dafür werden noch händeringend Lösungen gesucht.

Stephan Seidenfad

Geschäftsführer und Gründer Experte für die Themengebiete: bAV, Recht & Steuern, kAV, Digitale Lösungen und Absicherung

Stephan Seidenfad | von Buddenbrock

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