Das Wichtigste in Kürze

Gesetzliche Rentenversicherung

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Die Rente ist sicher - oder?

„Die Renten sind sicher!“ verkündete der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Wahlkampf 1986. Mehr als zehn Jahre später verteidigte er seinen Satz in einer hitzigen Bundestagsdebatte und wird damit noch heute regelmäßig zitiert. Sicher scheint die Rente nach wie vor zu sein – ob sie als alleinige Altersvorsorge aber noch ausreicht, um im Alter sorgenfrei und ohne große Abstriche leben zu können, ist mehr als fraglich. Wie die gesetzliche Rente funktioniert, wo wir ihre Schwachpunkte sehen und was das für Sie bedeutet, lesen Sie hier.

Das Prinzip: So funktioniert die gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rentenversicherung, oder im Volksmund einfach „die Rente“, beruht auf einem Umlageverfahren. Die aktuellen Arbeitnehmer zahlen jeden Monat einen Teil ihres Gehaltes in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Von diesem Geld werden dann die Renten der aktuellen Rentner bezahlt. Wer heute noch arbeitet, dessen Rente wird von den nachfolgenden Generationen der Arbeitnehmer bezahlt und so weiter. Deshalb spricht man bei der Rente auch von einem Generationenvertrag. Die jeweils nachfolgenden Generationen zahlen die Renten der Älteren.

Die gesetzliche Rentenversicherung im Detail

Von jedem Bruttolohn eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers fließen jeden Monat 18,6 Prozent in die ­gesetzliche Renten­versicherung. Die Kosten tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam, jeweils zur Hälfte. Auch viele Selbständige wie Handwerker, Lehrer und Hebammen sind in der Regel Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung und damit Teil des Rentensystems. Darüber hinaus können sich Selbständige auch freiwillig in der gesetzlichen Renten­versicherung absichern. Das muss allerdings innerhalb der ersten fünf Jahre ihrer Selbständigkeit angemeldet werden. Selbstständige müssen ihren Versicherungsbeitrag in der Regel komplett allein tragen, außer sie sind Mitglied in der Künstlersozialversicherung. Die übernimmt in diesem Fall den Beitragsanteil, den bei Angestellten der Arbeitgeber übernimmt.

Wo liegen die aktuellen Probleme bei der Rente?

Jahrelang haben der Generationenvertrag und das Umlageverfahren in der gesetzlichen Rentenversicherung gut funktioniert. Mit dem demografischen Wandel, vor allem durch die steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenzahlen, gerät das System aber immer stärker aus dem Gleichgewicht. Die Menschen in Deutschland werden im Durchschnitt immer älter und es werden gleichzeitig immer weniger Kinder geboren. Es gibt also immer mehr Rentenempfänger und gleichzeitig weniger Beitragszahler. Vor 50 Jahren wurde ein Rentner noch von vier Arbeitnehmern finanziell getragen, heute sind es nur noch 1,8 Arbeitnehmer. 2030, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Babyboomer in Rente gehen, müssen laut mehreren Prognosen 1,5 Arbeitnehmer einen Rentner finanziell mitversorgen.

Wann steigt die Rente – und wann fällt sie?

Grundsätzlich entscheiden Bundesregierung und Bundesrat über Rentenerhöhungen. Die Bundesregierung schreibt dazu eine Verordnung, sie muss aber vom Bundesrat abgestimmt werden. Grundlage für diese Verordnung und die Entwicklung der Rente ist die Entwicklung der Löhne. Wenn der durchschnittliche pro-Kopf-Lohn steigt, werden auch die Renten der aktuellen Rentner angepasst. Als Stichtag zur Ermittlung des Durchschnittslohns gilt der jeweils 1. Juli eines Jahres. Aber: Die Renten steigen nicht automatisch in gleichem Maße wie die Löhne. Weil durch den demografischen Wandel immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanziell mittragen müssen, gibt es einen sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor in der Formel zur Berechnung der Rentenhöhen. Die Erhöhung der Renten fällt dadurch immer niedriger aus, als die Erhöhung der Löhne, um die aktuellen Beitragszahler und zukünftige Generationen nicht zu stark zu belasten.
Eine andere Klausel in der Rentenanpassung, die sogenannte Rentengarantie, sorgt gleichzeitig dafür, dass die Renten nicht sinken. Das tun sie auch dann nicht, wenn die Löhne sinken. Über den Nachholfaktor kann das allerdings in Folgejahren nachgeholt werden. Besonders deutlich wird die Entwicklung der Renten am nachfolgenden Beispiel aus den Jahren 2021 und 2022.

Die Rentenentwicklung im Beispiel

2021 gab es in den neuen Bundesländern nur eine leichte Rentenanpassung um 0,72 Prozent, im Rahmen eines langfristigen Angleichs an die Renten in den alten Bundesländern. Dort gab es sogar eine Nullrunde, weil im Vorjahr durch die Corona-Pandemie die Löhne gesunken waren. Durch die Kopplung an die Lohnentwicklung hätten die Renten eigentlich also sogar sinken müssen, was durch die Rentengarantie aber verhindert wurde.
2022 gab es eine deutliche Rentenerhöhung, um 6,12 bzw. 5,35 Prozent. Die Renten wären eigentlich aufgrund der Lohnentwicklung sogar noch stärker gestiegen. Der Nachholfaktor sorgte aber dafür, dass die eigentliche Rentenkürzung aus dem Vorjahr nachgeholt und auf den aktuellen Anstieg angerechnet wurde.

Ein Blick in die Zukunft: So entwickelt sich das Rentenniveau

Auch wenn die Renten in ihrer Tendenz kontinuierlich steigen, sinkt ebenso kontinuierlich das sogenannte Rentenniveau. Es zeigt an, wie viel ein Mensch, der 45 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, aktuell an Rente bekäme – im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittseinkommen. Da die Rente durch den Nachhaltigkeitsfaktor nicht so schnell steigt, wie die Löhne, wird das Rentenniveau über die Jahre immer geringer.

Was wird getan, um das Rentenniveau zu stabilisieren?

Um zu verhindern, dass durch das sinkende Rentenniveau Rentner immer mehr abgehängt werden, hat die letzte Bundesregierung unter Angela Merkel schon angekündigt, das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent bis mindestens 2025 stabil zu halten (sprich: Ein durchschnittlicher Rentner, der 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, bekäme dann 2025 als Rente 48 Prozent dessen, was 2025 das Durchschnittseinkommen ist). Die aktuelle Regierung aus SPD, Grünen und FDP plant auch darüber hinaus, das Rentenniveau stabil bei 48 Prozent zu halten. Um das zu erreichen, soll unter anderem der Beitragssatz, den Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, angehoben werden. Aktuell liegt er bei 18,6 Prozent und wird jeweils zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber gezahlt. Die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung geht aktuell davon aus, dass der Beitragssatz 2025 angehoben wird, auf dann 19 Prozent. Außerdem würden wohl die Rentenanpassungen wieder stärker an die Löhne gekoppelt und der Nachhaltigkeitsfaktor vorerst keine Rolle mehr spielen, heißt es. Die Bundesbank hat zuletzt eine langfristigere Untersuchung dazu gemacht. Nach ihrer Prognose könnte der reine Beitragssatz bis 2070 auf bis zu 25 Prozent steigen, dazu kämen laut der Studie bis zu 4 Prozent Mehrwertsteuer. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssten dann zusammen insgesamt 29 Prozent des Bruttolohns an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen.

Renten-Beitrag als Prozentsatz des Einkommens – aber nicht des gesamten Einkommens

Der Beitragssatz, mit dem die gesetzliche Rente finanziert wird, hat noch eine Besonderheit: Er wird nicht bei allen auf das komplette Einkommen angewandt, sondern nur bis zu einer Höchstgrenze von 84.600 Euro Jahreseinkommen in den alten und 81.000 Euro pro Jahr in den neuen Bundesländern. Die Bemessungsgrenzen für das nicht zu berechnende Einkommen sind aktuell noch unterschiedlich in Ost- und Westdeutschland. Bis 2025 werden sie schrittweise angeglichen. Wer über diese Bemessungsgrenzen hinaus verdient, muss auf das Einkommen über dieser Grenze keinen Rentenbeitrag zahlen. Er hat also während seiner Berufslaufbahn mehr Geld zur Verfügung, um beispielsweise privat fürs Alter vorzusorgen. Er bekommt aber nicht automatisch in gleicherem Maße eine höhere Rente.

So berechnet sich meine Rente

Die Höhe der zu erwartenden Rente berechnet die Deutsche Rentenversicherung nach einer Formel mit verschiedenen Faktoren:
Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

  • Entgeltpunkte:

Jedes Jahr innerhalb der Berufslaufbahn sammelt man Entgeltpunkte für die spätere Rente. Ein Entgeltpunkt entspricht dabei exakt dem Deutschen Durchschnittsverdienst im jeweiligen Jahr. Das heißt: Wer genau so viel verdient wie alle Deutschen im Durchschnitt, bekommt genau einen Entgeltpunkt. Je nachdem, wie weit das eigene Einkommen noch oben oder unten vom Durchschnitt abweicht, bekommt man entsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte.
Entgeltpunkte sammelt man aber auch durch andere Leistungen, Verdienste oder Umstände. Dazu gehören zum Beispiel die Pflege von Angehörigen oder Elternzeit, eine Behinderung oder Bundesfreiwilligendienst.

  • Zugangsfaktor:

Mit dem Zugangsfaktor werden Auf- oder Abschläge bei der Rente berücksichtigt, wenn man zum Beispiel früher oder später in Rente geht, als es das gesetzliche Rentenalter vorsieht. Wer beispielsweise früher in Rente geht, muss mit Abstrichen rechnen. Wer nach dem eigentlichen Rentenalter noch weiter arbeitet, bekommt am Ende in den Rentenjahren etwas mehr Geld.

  • Aktueller Rentenwert:

Der Rentenwert ist der aktuelle rechnerische Gegenwert für einen Entgeltpunkt. Rechnerisch ist es der Betrag, der einer ungeminderten monatlichen Rente aus Beiträgen eines Durchschnittverdieners für ein Jahr entspricht.  Aktuell liegt der Rentenwert bei 36,02 Euro in Westdeutschland und 35,52 Euro in Ostdeutschland.

  • Rentenartfaktor:

Der Rentenartfaktor steht für die verschiedenen Arten der Rente und dem jeweiligen Nutzen dahinter. Eine gesetzliche Rente hat beispielsweise den Faktor 1, eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderungsrente den Faktor 0,5 und eine Vollwaisenrente den Faktor 0,2.

Es bekommt also nicht jeder Beitragszahler am Ende die gleiche Rente, wenn sie gleich viele Jahre eingezahlt haben. Der eigene Verdienst fließt über die Entgeltpunkte ein, der Renteneintritt über den Zugangsfaktor. Diese beiden Faktoren kann man also über die eigenen Karriereentscheidungen beeinflussen. Auf die anderen beiden Faktoren hat man als Beitragszahler hingegen keinen oder nur wenig Einfluss.

Ab wann bekomme ich Rente?

Aktuell befinden wir uns in einer Übergangsphase. Für alle ab Jahrgang 1964 liegt das reguläre Renteneintrittsalter bei 67 Jahren. Für die Jahrgänge davor bis einschließlich 1947 ist das Renteneintrittsalter unterschiedlich geregelt. Es liegt bei 65 Jahren, plus aktuell ein Monat pro späteres Geburtsjahr. Wer also 1956 geboren ist, geht aktuell regulär nach 65 Jahren und 10 Monaten in Rente. Ab 2024 wird das reguläre Renteneintrittsalter mit dem Geburtsjahr 1959 beginnend in 2-Monats-Schritten angehoben. Sie können aber auch früher oder später in Rente gehen, müssen dann aber mit Auswirkungen auf die Rentenhöhe rechnen.

  • Wer früher geht, muss bei der Rente Abstriche Sie werden über den Zugangsfaktor berechnet. Die Abschläge können aber vorab ausgeglichen werden, mit Sonderzahlungen in die Rentenversicherung. Das steht jedem ab 50 Jahre frei. Es lohnt sich also gegebenenfalls, frühzeitig über seine Rentenplanung nachzudenken.
  • Wer später, also nach dem regulären Eintrittsalter in Rente geht und während dieser Zeit weiter in die Rentenkasse einzahlt, steigert pro Monat seine spätere Rentenauszahlung um 0,5 Prozent.

Was kann ich zur Rente dazuverdienen?

Wer mit dem regulären Renteneintrittsalter seine Rente beginnt, kann so viel hinzuverdienen, wie er will. Sie dürfen sogar weiter Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen, wenn Sie wollen. Dadurch steigt Ihr Rentenanspruch für die verbleibenden Jahre weiter an.
Für alle, die vorzeitig in Rente gehen, gelten allerdings Höchstgrenzen beim Zuverdienst. Regulär liegt die Grenze bei 6.300 Euro. Verdienen Sie neben der Rente mehr, wird alles, was über 6.300 Euro hinausgeht zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Wenn Sie so viel zur Rente hinzuverdienen, dass Rente plus Zuverdienst zusammen höher liegen als Ihr höchstes Gehalt der letzten 15 Jahre, wird der darüber hinaus gehende Betrag zu 100 Prozent auf die Rente angerechnet. Das lohnt sich dann zumindest finanziell also nicht mehr.

Muss ich Steuern auf meine Rente zahlen?

Ja, die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung muss versteuert werden. Es gibt aber aktuell einen Freibetrag von 10.347 Euro im Jahr. Außerdem werden nur 82 Prozent der aktuellen Rente versteuert. Ab 2023 steigt dieser Anteil auf 83 Prozent. Der Steuersatz, also wie viel Steuern Sie auf diesen Teil der Rente bezahlen, hängt von der Höhe der Rente und dem Einkommensteuersatz ab.

Fazit

Die gesetzliche Rentenversicherung sorgt für eine Absicherung und finanzielle Versorgung im Alter, wenn die berufliche Laufbahn zu Ende ist. Über verschiedene Faktoren in der Berechnung bemüht sich das System um faire und leistungsgerechte Ausgleiche zwischen den einzelnen Gruppen, die in die Rentenkasse einzahlen und daraus Geld bekommen. Durch den demografischen Wandel steht das System aber vor massiven Herausforderungen, weil immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner mitfinanzieren müssen. Damit werden entweder die Belastungen für nachfolgende Generationen irgendwann zu groß oder der Druck privat für das Rentenalter vorzusorgen immer größer.
Schon jetzt ist absehbar, dass große Teile der noch arbeitenden Generation im Rentenalter große Einschnitte bevorstehen. Auch im aktuell besten anzunehmenden Fall wird die gesetzliche Rente für sie weniger als halb so hoch ausfallen, wie das dann durchschnittliche Einkommen der arbeitenden Bevölkerung. Es lohnt sich deshalb in jedem Fall, sich nicht nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen, sondern parallel auf andere Weise für das Alter vorzusorgen – je früher, desto besser und günstiger. Als Beispiele sind da unter anderem die Betriebliche Altersvorsorge, Fonds-Renten oder Investment-Sparen zu nennen. Welches Modell am besten zu Ihnen passt und Ihnen im Alter das finanziell unbeschwerteste Leben beschert, erfahren Sie von unseren Finanz- und Vorsorge-Experten. Vereinbaren Sie einfach einen kostenlosen Beratungstermin und finden Sie gemeinsam mit uns heraus, wie Sie sich schon jetzt auf die Zeit nach ihrem Berufsleben vorbereiten.

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Achim Wehrmann