Berlin, 03.06.2020 – ca. 22:30 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel stellt vor vielen Journalisten ein Konjunkturpaket vor, worauf sich die verschiedenen Minister der SPD und der Union geeinigt haben. Ein noch nie da gewesenes Investitionsprogramm, in 57 Punkten auf Papier gebracht und mit einer Investitionssumme von 130 Milliarden Euro wurde beschlossen. Das Programm soll ab dem 1. Juli die durch die Corona-Krise geschwächte Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Die Maßnahmen des „Kraftpakets“

Vor allem Familien mit Kindern profitieren zum Beispiel durch einen Kinderbonus von einmalig 300€ pro Kind. Aber auch Investitionen in das Gesundheitssystem, in die Digitalisierung und den Ausbau von Kitas, Kindergärten oder Ganztagsschulen sieht das Maßnahmenpaket vor. Unter anderem soll es Kaufprämien geben, eine Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge und was am wichtigsten ist: Die Mehrwertsteuer wird gesenkt! Wir fragen uns nun, wem bringt diese Senkung etwas? Können Verbraucher diese Senkung spüren, oder nutzen es Unternehmen aus und maximieren dadurch den Gewinn? Wir haben es uns genauer angeschaut!

Sinken jetzt die Preise?

Ab dem 1.  Juli soll die Mehrwertsteuer von 19% auf 16% und der ermäßigte Satz von 7% auf 5% gesenkt werden. Das Ziel dieser Maßnahme ist eine Abmilderung der Rezession und eine Stärkung der Konjunktur durch eine gesteigerte Binnennachfrage. Die Senkung der Steuer kostet insgesamt rund 20 Milliarden Euro. Sie ist der umstrittenste Punkt in dem „Kraftpaket“, denn es bleibt die Frage: „Sinken jetzt die Preise?“

Durch die Senkung der Mehrwertsteuer sollen Verbraucher angeregt werden, die geplanten Anschaffungen nun vorzuziehen, bzw. nicht auszusetzen. Dies würde sich laut Experten gerade bei „langlebigen Konsumgütern“, wie dem Kauf von Möbeln, technischen Geräten oder Autos lohnen. Knackpunkt dabei: Reichen Unternehmen die niedrige Steuer weiter an die Konsumenten, oder stecken sich die Unternehmen diese in die eigenen Taschen? Einige Studien zeigen, dass Unternehmen die Senkung der Mehrwertsteuer nutzen, um den eigenen Gewinn zu maximieren. Viele Unternehmen und gerade viele Gastronomen werden die Preise nicht dementsprechend senken, um die eigenen, durch die Corona-Krise entstandenen, Löcher zu stopfen.

Warum die Steuersenkung dennoch sinnvoll ist

Dennoch sind sich Experten einig, dass diese Maßnahme einiges bringen wird. Auch wenn Verbraucher nur wenig von der Senkung bemerken werden, kommt es vor allem den angeschlagenen Unternehmen zugute. Politisch ein super Schachzug: Augenscheinlich wirkt die Mehrwertsteuersenkung zur Entlastung der Verbraucher, hilft aber vor allem den Unternehmen und schlussendlich auch dem Staats durch Steuereinnahmen. Wünschenswert wäre nach Meinung der Experten nur gewesen, dass vor allem der Mittelstand und die Gastronomie zielgerichteter unterstützt würde. Denn von einer flächendeckenden Senkung profitieren auch Unternehmen, die eigentlich auf keine Unterstützung angewiesen sind.

Kritisch zu betrachten ist auch, dass vor allem Unternehmen, die im Business-to-Business (B2B) Geschäft tätig sind, überhaupt nicht von einer Senkung profitieren, da diese die Mehrwertsteuer nur weiterreichen. Die zweifache Senkung des Steuersatzes würde dennoch Kosten verursachen, da die Buchhaltung und die Rechnungsstellung anzupassen seien. Eine weitere Gefahr sei eine plötzliche Steigerung der Mehrwertsteuer im nächsten Jahr, da damit auch zeitgleich eine geringere Nachfrage zu befürchten ist.

Unser Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Senkung sowohl Verbraucher, als auch Unternehmen helfen kann. Nicht alle Unternehmen werden die Steuern weiterreichen, einige aber schon. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Konjunktur in den ersten Monaten entwickelt. Eine derartige Situation hat es in Deutschland noch nie gegeben und die langfristigen Folgen bleibt es noch abzuwarten. Aus diesem Grund ist es auch wahrscheinlich, dass die Senkung noch bis in das nächste Jahr hinaus verlängert wird.

Wir sind uns einig: Die Steuersenkung ist eine gute Maßnahme, um die Wirtschaft in Deutschland wieder stückweise zu stärken!